Monthly Archives: Juni 2015

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Während eines Triathlons ist man 40 Kilometer auf dem Rad unterwegs…das ist nicht wirklich weit, trotzdem sollte man sich darauf vorbereiten.

In Vorbereitung auf unseren ersten Triathlon im Juli in Hamburg, haben wir uns bereits Anfang des Jahres in den Kopf gesetzt eine längere Radtour zu planen. Wir wollten versuchen über ein verlängertes Wochenende möglichst viele Kilometer zu planen, dabei allerdings auch den Urlaubscharakter und ein wenig Erholung nicht vergessen.

Schnell hatte ich den Ostsee-Radweg im Kopf. Dieser beginnt in Flensburg und endet in Ahlbeck auf Usedom. Ohne die Insel Rügen kommt er in Etwa auf eine Länge von 800 Kilometern.

Auf der Insel Fehmarn findet jährlich im Juni ein Marathon statt. Also stand ebenfalls ziemlich schnell fest, dass der Radurlaub gleich mit dem Marathon verbunden werden soll. Damit war also das Datum festgelegt und die grobe Richtung bestimmt. Jetzt mussten wir nur noch überlegen, wie wir am einfachsten zur Ostsee kommen, von wo wir starten und wo die ganze Tour enden sollte.

Wir planten die Fahrt mit dem Zug bis nach Oldenburg in Holstein. Mit verschiedenen Regionalbahnen kann man sehr günstig reisen…dafür nimmt man auch mal mehrere Stunden Fahrt in Kauf. Es war unsere erste Reise mit den Rädern mit der Bahn, also wussten wir auch nicht, dass man Fahrräder extra buchen muss und dass man im IC für Fahrräder reservieren muss. Aber egal….

Am 05. Juni starteten wir morgens 6 Uhr in Wundersleben. Die erste kurze Strecke führte nach Straußfurt von wo aus unsere Reise mit dem Zug begann. Wir fuhren bis Wolkramshausen, wo wir in den Zug nach Leinefelde umstiegen. In Leinefelde hätten wir einfach nur in den Zug einsteigen müssen, der uns direkt gegenüber stand, aber irgendwie hatte ich mich verlesen und wir liefen zum falschen Gleis. Unser Anschlusszug fuhr ohne uns nach Göttingen. Für uns hieß das also umplanen…mit ein bisschen weiblichen Charme bekamen wir ein Schreiben, dass die Zugbindung aufhob, so dass wir ungehindert reisen konnten. So, wie es für uns am einfachsten war. Dadurch lernten wir nicht nur etwas über das Reisen mit der DB, sondern nutzten auch gleich die Verbindungen des Metronom.

Mit mehr als zwei Stunden Verspätung kamen wir schließlich kurz nach 17 Uhr in Oldenburg an. Dort mussten wir zunächst den Radweg finden. Es war recht einfach, doch dann folgten wir der Beschreibung eines Mannes, statt den Schildern und schon hatten wir uns ordentlich verfranzt. Irgendwann haben wir es dann aber geschafft und waren auf der richtigen Spur! Auf zur Insel Fehmarn.

oldenburg fehmarn

Nach einer kurzen Pause in Heiligenhafen führte dir Tour über Großenbrode weiter hinauf. Kurz vor dem Sonnenuntergang erreichten wir die Fehmarnsundbrücke. Auf dieser war es mehr als nur ein bisschen windig und ich hatte zwischendurch echt kurz Angst, vor allem da man vor der Fahrt auf die Brücke eine Art Schranke passieren muss, auf der man deutlich darauf hingewiesen wird, dass das Befahren mit dem Rad auf eigene Gefahr erfolgt.

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Auf der Insel angekommen, war die Stimmung dann schon etwas angeschlagen. Benny war leicht gereizt und hatte langsam den Hals voll. Aber es nützt ja nichts, wir müssen noch bis zum Campingplatz Wallnau, den wir dann etwa 21.30 Uhr erreicht haben. Wir waren seit mehr als 15 Stunden unterwegs – es war wirklich an der Zeit. Wir hatten Glück, dass das Restaurant bis 22 Uhr geöffnet hatte, so konnten wir uns noch schnell zwei Pizzen bestellen, die wir dann im Wohnwagen verspeisten.

Am nächsten Morgen stand erstmal der Marathon auf dem Programm. 42 Kilometer in zwei Runden sollten unter vier Stunden zurückgelegt werden. Auch dieser verlief super, den Beitrag dazu findet ihr hier:
Fehmarn-Marathon

Nach dem Lauf stiegen wir 15:30 Uhr wieder auf unsere Räder. Die Tour führte über die Inseln zurück nach Heiligenhafen. Ich fühlte mich eigentlich noch recht gut und hatte bislang keine Nachwehen vom Marathon.

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Doch nachdem ich an unserer Pension von meinem Rad gestiegen bin und die Treppen zu unserem Zimmer hinauf laufen wollte, spürte ich plötzlich, dass es meinen Schienbeinen alles andere als gut geht. Die Schmerzen waren schrecklich und die Treppen schienen unendlich. Auf unserem Zimmer stellte ich mich sofort unter die warme Dusche, ich war recht durchgefroren. Die Schmerztabletten, die ich vor und während des Laufes genommen hatten hörten nun endgültig auf zu wirken. Ich konnte kaum noch gehen. Es war eine Qual. Frisch geduscht massierte ich die Beine gleich mit Voltaren und klebte anschließend neue Tapes. Mit starken Schmerzen und ganz langsamen Schritten machten wir uns auf den Weg zur Promenade, wo wir noch etwas essen wollten.

Am nächsten Morgen waren die Schmerzen immer noch unerträglich. Zum Glück sind wir mit den Rädern unterwegs und nicht zu Fuß. Ich konnte allerdings nicht auf Schmerzmittel verzichten. Zu stark waren die Beschwerden in den Schienbeinen. Die heutige Tour führte uns von Heiligenhafen nach Travemünde. Knapp 90 Kilometer standen auf dem Plan.
Nach den ersten 20 Kilometern legten wir eine kurze Pause am Kracksdorfstrand, ein schön ruhiger und leicht abgelegener Fleck an der Ostsee, ein.

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Der Weg führte uns dann weiter Richtung Dahme. Der Weg wechselte zwischen wundervollen asphaltierten Küstenradwegen, Schotterwegen und Wegen weit ab der Küste. Teilweise kämpften wir mit starkem Gegenwind, der uns vor allem auf dem langen Damm zwischen Dahme und Grömitz zu schaffen machte. Nach diesen schwierigen Kilometern freuten wir uns dann endlich wieder auf gut ausgebauten Radwegen fahren zu können. Gegen 14:30 Uhr erreichten wir schließlich Grömitz, wo wir uns zum Mittag in einem kleinen italienischen Restaurant niedergelassen haben. Gut gestärkt brachen wir zeitnah wieder auf, bis Travemünde war es schließlich noch ein ganzes Stück.

Durch Grömitz kamen wir recht schnell, der Beschilderung in der Stadt konnten wir gut folgen. Allerdings haben wir uns kurz hinter Grömitz verfahren. Das offizielle Radwegschild führte uns rechter Hand weg von Bundesstraße…tja, aber nicht der offizielle Ostseeradweg. So entfernten wir uns von der Küste und fuhren über Schalshagen und Logeberg dann nördlich kommend nach Neustadt.
Dieser Kurort hat wirklich schöne Ecken. Zurück auf den Ostseeradweg zu finden fiel uns allerdings schwer. Da wir noch nicht all zu lange unterwegs waren und Travemünde längst nich in Sicht war, haben wir das schöne Panorama, das diese Stadt rund um den Hafen bot, leider nicht genossen und sind direkt weiter gefahren.

Es ging weiter Richtung Sierksdorf, wo wir endlich wieder in Küstennähe radeln durften. Bis zum Timmendorfer Strand führte der Radweg über gut asphaltierte Strecken, die sich komplett entlang der Ostsee zogen. Es war ein schönes Fahren – vorbei an kleinen Häfen, an Leuchttürmen, über Strandpromenaden, entlang von Naturschutzgebieten…es war toll und wir kamen hier echt super schnell vorwärts.

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Gegen 17.30 Uhr erreichten wir schließlich den Timmendorfer Strand, wo wir auf einer Seebrücke ein leckeres Softeis verspeißten. Eine kleine Belohnung für die vielen Kilometer, die bereits hinter uns lagen 😉 Von hier aus war es schließlich nur noch ein Katzensprung bis Travemünde. Uns trennten nur noch etwa 10 Kilometer von unserer Unterkunft in Travemünde, die wir dann etwa 19:30 Uhr erreichten. Unsere Unterkunft „Hotel Lieblingsplatz, Meine Strandperle“ lag wirklich direkt an der Mündung der Trave. Große Kreuzfahrtschiffe, kleine Kutter oder Trannsportschiffe…alles fuhr direkt vor unserem Fenster von der Ostsee in die Trave oder umgekehrt. Wir waren begeistert. Auch sonst war das Hotel einfach wundervoll. Sehr liebevoll eingerichtet.

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Nach einer heißen Dusche freuten wir uns auf einen schönen Ausklang des Tages im hoteleignen Restaurant, das im Vorgarten tolle Sitzgelegenheiten unter Heizpilzen bot, so dass wir direkt am Strand saßen und einfach alles genießen konnten.

Am nächsten Morgen brachen wir nach einem gesunden und langen Frühstück am Strand auf. Auf dem Plan standen 120 Kilometer bis Rostock. Wir hatten uns bereits am Vortag überlegt, dass wir in Wismar, nach etwa 70 Kilometern in die Bahn steigen und den Rest mit dem Zug fahren, im Falle das wir uns wieder verfahren und dadurch Zeit einbußen müssen. Heute durften wir auch nicht zu spät in der Unterkunft sein, da diese nur ein Check In bis 20 Uhr gestattet.
Die Tagesetappe starteten wir nach einem kurzen Fotoshooting am Leutchtturm. Es ging weiter Richtung Promenade….hier fühte der Wegweiser Richtung Wasser. Hm, das kann ja jetzt nicht sein. Wir dachten also, dass wir ein Stück entlang der Trave fahren müssen, bis wir zu einer Brücke kommen, über die wir die Trave überqueren können. Allerdings ist uns nach einigen Kilometern aufgefallen, dass wir nicht auf den Radweg kommen. Wir fuhren also zurück zum Hafen. Hier fiel es uns dann wie Schuppen von den Augen – natürlich, wie können die Trave nur mit einer Fähre überqueren, deshalb führte das Schild auch Richtung Wasser.

Als wir schlißelich Travemünde verließen führte uns der Weg entlang der Steilküste bis Boltenhagen. Dieser Streckenabschnitt war meist sehr gut asphaltiert…leider aber sehr sehr hügelig. Aber egal, wo es bergauf geht, geht es auch wieder bergab 🙂 Ich fand´s gar nicht so schlimm. Benny sah das jedoch ein bisschen anders und war sehr froh in Boltenhagen eine Rast einzulegen. Nachdem der erste Eiscafe mehr als ein Flop war, ließen wir uns in einer kleinen Eisdiele zwischen Park und Strand nieder.

Gut gestärkt machten wir uns kurze Zeit später wieder auf den Weg. Bis Wismar waren es noch knapp 30 Kilometer. Auf dem Weg entfernten wir uns hin und wieder von der Küste, fuhren aber an wunderschönen Mohnblumenfeldern vorbei.

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Etwa 15 Uhr erreichten wir den Hafen von Wismar. Hier konnten wir nicht wiederstehen und kauften uns leckere frische Fischbrötchen. Nachdem wir den Kampf gegen die Möwen gewonnen hatten und es uns auf einer kleinen Mauer bequem gemacht hatten, stürtze vor uns eine Frau mit ihrem Fahrrad ins Wasser. Zum Glück konnte sie schwimmen und sich über die Leiter retten. Für ihr Fahrrad kam jedoch jede Hilfe zu spät, es ist sofort gesunken. Wir schenkten ihr unser Handtuch…in unseren Augen war dieses Ereignis kein gutes Zeichen, weshalb wir uns danach endgütig entschieden in den Zug zu steigen und die letzen 50 Kilometer bis Rostock mit der Bahn zu fahren.
Das war eine gute Entscheidung, denn etwa zwei Stunden später standen wir in Rostock vor unserer Unterkunft. Wir freuten uns auf ein kleines Abenteuer und die Übernachtung auf einem kleinen Schiff. Allerdings war uns das dann doch zu viel Abendteru. Das Schiff lag im Industriehafen mitten zwischen riesigen Kontainerschiffen. Es war laut, es gab keine Restaurants oder Bars in der Nähe…es war schrecklich. Zum Glück hatten wir über booking.com gebucht und ich konnte über die App auf meinem Handy schnell noch umbuchen. Wir entschieden uns für das Hotel Warnow, direkt am Flußufer. Dort angekommen freute sich der Eigentümer des Hotels, uns das letzte noch verfügbare Zimmer bereitzustellen. Die Suite – aber für den regulären Doppelzimmer Preis. Das war die Belohnung für unser verschenktes Handtuch 😉 Hier blieben wir, hier fühlten wir uns wohl und hier genossen wir den restlichen Abend und die letzte Nacht an der Ostsee.

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Am nächsten Morgen genossen wir ein letztes wundervolles Frühstück mit Blick auf die Warnow. Anschließend machten wir uns auf dem Weg zum Bahnhof von wo aus wir Richtung Heimat aufbrachen.
18:30 Uhr trafen wir letztlich in Sömmerda am Bahnhof ein. Jetzt hieß es ein letztes Mal in die Pedale treten und die restlichen zehn Kilometer zurücklegen.

Insgesamt sind wir etwas über 300 Kilometer entlang der Ostsee geradelt. Es war ein tolles Erlebnis, sein Gepäck und sein Fahrgestell immer am Mann zu haben, sich jeden Abend auf eine neue Unterkunft zu freuen und einfach so viele schnöne Eindrücke zu sammeln. Wir werden solche Ausflüge künftig wiederholen – allerdings dabei auf die Deutsche Bahn verzichten!

 

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Einen straffen und gut trainierten Hintern, wer möchte den nicht haben? …und jeder kann ihn trainieren – mit einfachen Kniebeugen. Doch auch hierbei werden Fehler gemacht…

Immer wieder Montags trainiere ich die Frauenfußballmannschaft des Salamender FC Werningshausen. Und immer wieder haben wir Squats bzw. Kniebeuge auf dem Plan. Viele sind der Meinung, das ist die leichteste der Übungen, die wir durchführen. Doch bei genauem Hinschauen erkennt man die Fehler und weiß dann schnell warum dieser Teil des Workouts leicht fällt. In den vergangen Tagen habe ich auch auf Instagram und Facebook Bilder gesehen, auf denen Squats gezeigt wurden…doch leider auch hier teilweise falsch ausgeführt.

Wie mache ich sie nun richtig und welche Muskeln werden dabei überhaupt beansprucht?

In erster Linie trainiert man die Muskelpartien um den Po (Gluteus Maximus) und den vorderen Oberschenkel. Aber auch die kleinen Gesäßmuskeln und die schrägen Bauchmuskeln, genauso wie der Rücken werden bei korrekter Durchführung beansprucht und trainiert.

Und so funktionierts:

>>> Beine Schulterbreit auseinander

>>> es werden alle Muskeln angespannt

>>> der Rücken wird so gerade wie möglich gehalten (kein Hohlkreuz und keinen Rundrücken!!!)

>>> beim Einamten geht man so weit wie möglich nach unten und schiebt den Po nach hinten, die Knie werden während der gesamten Zeit nach außen gedrückt

>>> die Knie bleiben während der kompellten Druchführung hinter den Zehenspitzen

>>> der Blick wird möglichst nach vorn, nicht nach unten gerichtet

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Weitere Tipps:

>>> Therabänder ins Training einbauen

>>> Squats vor einer Wand üben – diese hindert euch daran den Oberkörper zu weit nach vorn zu beugen und die Knie über die Zehenspitzen zu schieben

 

Viel Spaß beim Probieren, ihr werdet merken – Kniebeuge sind anstrengend wir verrückt, es kommt nur darauf an, wie man sie ausübt. 🙂

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Ein halbes Jahr habe ich versucht, mich auf diesen Tag vorzubereiten – unzählige Kilometer bezwungen und immer wieder Rückschläge kassiert… Nun war es endlich soweit, ich konnte MIR beweisen, dass sich die Schmerzen, der Schweiß und alle Mühe gelohnt haben.

Nachdem wir am Vortag erst nach mehr als 15 Stunden auf den Beinen und Rädern, den Campingplatz Wallnau auf der Inseln Fehmarn erreicht haben, war ich wenig motiviert aufzustehen, als mein Wecker morgens 6.45 Uhr klingelte. Eigentlich wird empfohlen, mindestens drei Stunden vor dem großen Lauf auf den Beinen zu sein. Aber ganz ehrlich – ich schlief in einem Wohnwagen, bis etwa fünf Uhr hatte es geregnet…und wer liebt das nicht? Im Bett liegen, während die Regentropfen gleichmäßig auf das Dach tröpfeln. Ich wäre auf alle Fälle niemals früher aufgestanden.

Sieben Uhr und damit immer noch zwei Stunden vor Start sprang ich schließlich aus dem Bett. So richtig Lust auf 42 Kilometer hatte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Ich schlich mich erstmal in das Gemeinschaftsbad des Campingplatzes, warf mir dort mehrere Hände kaltes Wasser ins Gesicht, putzte die Zähne, malte mir ein kleines Bisschen Farbe ins Gesicht, verpasste mir schon die Frisur für den Lauf und sprang auch gleich in mein für heute gewähltes Laufoutfit. Gut, dachte ich. Langsam kommt die Motivation.
Zurück im Wohnwagen schmiss ich Benny aus dem Bett. Ich hatte Hunger und tierisch Lust auf Kaffee und ein kaltes Energie-Getränk. Außerdem wollte ich bitte Obst, einen Joghurt und etwas Herzhaftes zwischen die Zähne bekommen, um mir eine ordentliche Grundlage zu schaffen. Gemeinsam machten wir uns auf den Weg zum kleinen Supermarkt auf dem Campingplatz. Anders als erwartet gab es hier wirklich einfach alles was wir brauchten. Einem richtig umfangreichen Frühstück stand also nichts im Weg.

Gut gesättigt machten wir uns gegen 8.30 Uhr auf den Weg zum Startbereich. Ich musste auch noch meine Startnummer holen…wie immer auf dem letzten Pfiff…aber nie zu spät 🙂 Sehr stolz präsentierte ich meine Nummer – die 10! Wenn das kein Zeichen für ein Platz unter den Top 10 ist – hihi.

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Der Moderator stellte noch kurz verschiedene Läufer vor. Ich muss zugeben, ich hatte die ganze Zeit die Hoffnung, dass die Strecke mit etwas Glück kürzer als die regulären 42,195 Kilometer sind (immerhin beschummeln die meisten Veranstalter).  Doch dieser kleine Funken Hoffnung zerbrach, als ein Soldat vorgestellt wurde, der diesen Marathon zur Qualifikation für die Military World Games 2015 benötigte. Damit wusste ich – die Strecke muss offiziell vermessen sein, sonst würden er diesen nicht nutzen können. Nun ja…dann also doch ohne Beschummeln die komplette Distanz!

Die Zeit verging wie im Flug. Ich hielt die Augen nach der Siegerin aus dem letzten Jahr offen, fand sie aber nicht. Erst auf den Bildern vom Start sah ich, dass sie neben mir stand. Naja…man darf vor einem Marathon schon mal etwas verwirrt sein.

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Pünktlich 9 Uhr ist der Startschuss gefallen. Ein letztes Mal konnte ich Benny zuwinken, bevor ich gemeinsam mit den anderen Läufern über den Campingplatz hinunter zur Küste lief. Eigentlich habe ich mit einer leichten Meeresprise gerechnet, aber die Luft stand. Bereits nach dem ersten Kilometer lief mir der Schweiß, als wäre ich bereits zehn gelaufen. Die Sonne versteckte sich noch hinter den Wolken, aber es war unwahrscheinlich schwül. Nach etwa 2,5 Kilometern wechselte die Strecke dann vom asphaltierten Radweg  auf Schotterweg auf dem Damm. Aber auch hier wehte bislang kein Lüftchen. Dafür konnte ich hier eine wirklich tolle Kulisse genießen. Am Horizont beobachtete ich Schiffe, an der Küste standen zahlreiche Angler, ich lief vorbei an Schafen, hin und wieder haben mir Familien zugewunken, die gerade frühstückten…es war eigentlich wirklich schön anzusehen und schön entspannt. Überhaupt kein Stress. Ich sah hin und wieder auf meine Uhr. Mein Puls war bereits jetzt sehr hoch und ich war mit der Pace von teilweise unter fünf Minuten auch deutlich zu schnell. Stück für Stück drosselte ich das Tempo, aber so richtig leicht fiel mir das nicht. Es ist schwer ruhiger zu laufen, wenn du das Gefühl hast, du könntest in diesem Tempo doch eigentlich ewig laufen…auch wenn ich wusste, dass dies nicht der Fall ist.

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Nach etwa 10 Kilometern führte die Strecke dann weg von der Küste. Ab jetzt lief ich auf asphaltierten Straßen. Die Insel ist so wenig befahren, dass eine Straßenabsperrung nicht nötig war. Hin und wieder saßen Kinder oder Jugendliche an Punkten an denen die Straßenseite gewechselt werden musste…kam doch mal ein Auto, konnte dieses von den jungen Helfern gestoppt werden.
An den Seiten verfolgte ich fleißig die Markierungen und dachte immer – Ach, Kilometer 33…wenn du in der nächsten Runde hier bist, dann hast du es fast geschafft 🙂 Alles verlief gut. Ich war mit meiner Zeit bislang absolut zufrieden und die Beine machten auch einen guten Eindruck. Trotzdem griff ich beim Kilometer 16 zum Telefon um Benny anzurufen. Es sollte sicherheitshalber die Ibu einpacken, es kann sein, dass die Schienbeine nicht durchhalten.

Nach etwa 1:52 lief ich wieder über den Campingplatz. Ich hatte die erste Runde geschafft. Ich war eigentlich noch absolut fit und motiviert…wobei ich nicht behaupten kann, dass ich nicht auch gern einfach auf dem Campingplatz geblieben wäre.

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Benny wartete bereits mit dem Rad. Es war ausgemacht, dass er mich in der zweiten Runde begleiten sollte. Die Schienbeine fingen nun doch an ein  wenig zu schmerzen, weshalb ich mich gleich für die Einnahme der Ibu entschlossen habe. Klar weiß ich, dass es nicht gut ist den Schmerz zu unterdrücken und weiterzumachen. Aber wenn das die Chance ist den Lauf gut durchzuhalten, dann ist einem so ziemlich jedes Mittel recht.
Zu diesem Zeitpunkt konnte ich mich auch noch gut mit Benny unterhalten. Allerdings merkte ich schon jetzt, dass auch bei einer Pace um die 5:30 der Puls nicht von der 175-180 herunter kam. Benny redete mir gut zu, bat mich auch etwas ruhiger zu werden. Ich werde dann von ganz allein langsamer, glaub mir, erklärte ich ihm.
Genau wie ich es erwartet hatte ließen meine Kräfte Stück für Stück nach…bis zum 30. Kilometer ist es wenig problematisch…doch danach beginnt der Kampf. Es war gut, dass Benny mich begleitete, so konnte er mir an den Getränkestationen immer noch einen Becher Wasser mitnehmen. Ich sehnte mich nach der 33 Kilometermarke…diesen Punkt hatte ich doch noch aus der ersten Runde in Erinnerung. Ab jetzt wurde es immer schwerer. An den Getränkepunkten blieb ich plötzlich stehen. Benny hat begonnen mir das Wasser in den Nacken zu gießen, denn die Sonne brannte in der Zwischenzeit und die Hitze kostete zusätzlich Kraft.

Mein eigens bestimmter Hase hatte leider nach etwa 22 Kilometern eine Pause eingelegt und nicht wieder aufgeholt…ich musste mir also einen neuen Hasen suchen. Der Mann in schwarz hatte bereits mehrfach Gehpausen eingelegt, der war vielleicht nicht das optimale Zugpferd. Aber dann entdeckte ich ihn. Der junge Mann im Sportschecklaufshirt. Er ist nach etwa 5 Kilometern an mir vorbeigezogen und war lange nicht in Sicht. Doch bei Kilometer 30 war er plötzlich wieder vor mir. Erst erzählte mir Benny ständig – guck mal, der geht schon, den kriegst du. Hatten wir den, verlangte er von mir, dass ich nun doch auch gefälligst noch den jungen Mann im Sportschecklaufshirt einholen sollte. Ich hätte ihn am liebsten von seinem Fahrrad geworfen. Mir geht es überhaupt nicht darum irgendjemanden einzuholen…ich möchte bitte einfach nur selbst ankommen…und zwar möglichst unter vier Stunden.

Nun ja, ab Kilometer 35 kam ich diesem jungen Mann auf alle Fälle immer näher. Gemeinsam stoppten wir an den Getränkestationen. Doch er startete immer in einem zügigerem Tempo als ich. Allerdings hielt er dieses nie lange, so dass ich ihn schnell wieder am Hintern klebte. Etwa auf Kilometer 37 lief ich an ihm vorbei. Endlich! Benny konnte also endlich still sein, freute ich mich. Kurz darauf müssen wir am letzen Getränkepunkt angekommen sein. Ich hab kein Bock mehr! Blaffte ich Benny und die Jugendlichen, die die Getränke ausgaben, voll. Mensch, das Stück noch. Gleich ist es doch geschafft. Mist! Jetzt lief der junge Mann doch tatsächlich früher los als ich. Prima, jetzt musste ich den wieder einholen. Nur noch drei Kilometer – wollte mich Benny beruhigen. Mann ej, es sind verdammt nochmal 42 Kilometer und keine 40!!! Warf ich ihm irgendwie zurück. Er war immer noch der Meinung, dass man die letzten zwei Kilometer doch dann eh nicht mehr spürt. Ich begann ihm nicht mehr zuzuhören. Langsam versank ich in meiner eigenen Welt. 38 Kilometer geschafft – auch an diesen Punkt konnte ich mich erinnern. Etwa auf Kilometer 40 lief ich schließlich wieder an dem jungen Mann vorbei. Jetzt hatte ich niemanden mehr vor mir. Nun hatte ich nur noch die Zeit im Blick. Ich spürte nichts mehr…und ich hörte nichts mehr. Benny konnte mir erzählen was er wollte. Ich wechselte hin und wieder die Schritttechnik…und plötzlich hörte ich den Morderator. Vor mir sah ich die letzte Kurve und die letzte Brücke. Ich wusste, dass ich hinter dieser Brücke das Ziel vor Augen habe. Jetzt war alles egal. Ich wurde auch wieder schneller. Es war kein Schmerz mehr zu spüren…auf dem Boden las ich 42km…nur noch 195 Meter, dann bist du im Ziel!!! Ich lief ohne etwas um mich herum wahrzunehmen. Doch dann passierte es…der Moderator begrüßte mich…und nannte einen falschen Namen. Ich stockte kurz und gab mit Handzeichen zu verstehen, dass das nicht stimmt – Gott nochmal, ich bin unter vier Stunden, wehe ich bin auf einen falschen Namen gelaufen. Ich dachte ich flippe aus! Doch es war sein Fehler, er hat sich verlesen…und somit konnte ich überglücklich die Zielliene überqueren.

Ich sank sofort zu Boden. Ich war am Ende – auch am Ende meiner Kräfte! Aber überglücklich und mit der Zeit von 3:57:22 auch absolut zufrieden.

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Der Fehmarn-Marathon ist ein kleiner sehr familiärer Lauf, aber trotzdem toll. Ich konnte mir in dem kleinen Startfeld gute Plätze sichern. Unter den Frauen wurde ich Fünfte und mit dem 25. Platz insgesamt bin ich auch sehr zufrieden.

Nun konnte ich mir das alkoholfreie Bier in  der Sonne schmecken lassen, konnte die nach und nach hereinlaufenden Marathonis anfeuern und schließlich auch die Siegerehrung miterleben. Ein gutes Gefühl!

Eine Woche nach dem Marathon freue ich mich nun auch auf den nächsten – München, ich komme!

Wie oft darf ich noch trainieren? Wie weit sollte ich laufen? Auf was sollte ich verzichten? Wie sollte ich mich ernähren? Welche zusätzlichen Nährstoffe brauche ich jetzt?

Diese und viele andere Fragen schwirren einem so kurz vor dem großen Lauf durch den Kopf. Ich versuche sie kurz zu beantworten.

Es gibt sehr unterschiedliche Trainingspläne, mit denen sich Läufer auf einen Marathon vorbereiten. Die einen steigern den wöchentlichen Trainingsumfang konsequent, erweitern die einzelnen Trainingseinheiten stetig und versuchen zu dem auch noch ihr Tempo zu steigern. Die anderen trainieren ihre Grundausdauer und laufen jede Woche im gleichen Umfang. Ihnen kommt es weniger auf die Zeiten an, mehr geht es darum die Marathondistanz zu schaffen.

Ich selber trainierte lange über die Trainingspläne der Laufapp Endomondo. Ich hatte diese mit einem erfahrenen Sportwissenschaftler besprochen und festgestellt, dass diese für den Freizeitläufer mit ambitionierten Zielen vollkommen ausreichend sind. Mein akuteller Trainingsplan war so konzipiert, dass ich den wöchentlichen Umfang Stück für Stück gesteigert habe. Die langen Läufe, die einmal in der Woche auf dem Plan standen wurden bis zu 35 Kilometer erweitert. Neben diesen Einheiten wurden Regenerative Läufe, Tempoläufe und Intervalltrainingseinheiten eingeplant. Das heißt, ich habe bis zwei Wochen vor dem Marathon einen kontnuierlich wachsenenden Trainingsumfang gehabt. Dann habe ich das Trainingspensum zurückgefahren. Der Scharfensteinlauf im Eichsfeld war der letzte längere Lauf mit zügigerem Tempo. Seit dem habe ich die 10 Kilometer-Marke nicht mehr überschritten. Mein Körper sollte die Möglichkeit haben zu regenerieren. Ruhige Trainingseinheiten mit dem Rad oder Inlinern habe ich mir aber nicht nehmen lassen. Auch das Krafttraining habe ich fortgesetzt.

Heute, drei Tage vor dem nächsten Marathon, werde ich schwimmen gehen, eine kleine Trainingseinheit als Personlatrainerin halten und selbst dann noch am Crosstraining teilnehmen – ABER nicht im klassischen Stil laufen.

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Auf den nächsten Marathon, der dann im Herbst auf dem Plan steht, werde ich mich mit dem Greif-Trainingsplan vorbereiten. Ich bin gespannt, welche Unterschiede ich zur App feststellen werde und wie die letzten Tage vor dem Marathon dann mit diesem Plan aussehen.

Neben dem Training spielt allerdings auch die Ernährung eine wichtige Rolle. Dr. Feil empfiehlt, ab dem dritten Tag vor dem Wettkampf, die Kohlenhydrataufnahme stark zu erhöhen, denn am Wettkampftag sollte man mit komplett gefüllten Speichern an den Start gehen.
Wichtig ist auch, die Speicher in den letzten Tagen nicht mehr vollkommen zu leeren. Das heißt – keine Trainingseinheiten, die zur Erschöpfung führen.

Kohlenhydrate sollten am besten in folgender Form aufgenommen werden >>> Hirse, Hafer, Buchweizen, Rote Beete, Süßkartoffeln und Obst in Form von Beeren.

So kurz vor dem Wettkampf sollte auch zusätzlich Magnesium zugeführt werden. Das fehlt bei Läufern eigentlich immer. Empfehlen kann ich die Firma Additiva, die ein mit 300mg Magnesium recht hochdosiertes Präparat anbietet.

Um meinen Körper auch sonst gut zu versorgen, greife ich so kurz vor dem Wettkampf auch zu weiteren Nahrungsergänzungsmitteln. Q10, Vitamin-B-Komplex und Spirulina Dragees werden zu den Mahlzeiten eingenommen und sollen die wichtigsten Mineralien, Vitamine und Proteine liefern.

20150521_214627Jetzt heißt es für mich Ruhe bewahren, weiter regernieren und mich auf einen tollen Lauf mit einer tollen Kulisse konzentrieren. Fehmarn 2015 – ich freue mich auf dich!