Monthly Archives: März 2016

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Wie haben sie geflucht, gefroren, gezittert, geschwitzt und gelitten… ABER am Ende waren sie echte Bravehearts!

Seit Wochen hatte ich mich auf diesen Lauf gefreut. Endlich wieder Schlamm, endlich wieder Berge und endlich wieder ein Lauf mit unzähligen Hindernissen. Vor allem jede Menge Natur.
Vom Dragonheart-Battle, das schon viele Wochen zurücklag, war ich so begeistert, dass gleich klar war – dieses Battle in Unterfranken darf ich mir definitiv nicht entgehen lassen.

Nun rückte die Zeit immer näher. Das GettingTough hatten wir wunderbar hinter uns gebracht und schlimmer konnte es schließlich nicht werden. Davon waren wir überzeugt.

Die Vorbereitung lief. Zumindest bei mir. Die angekündigten 25 bis 30 Kilometer sollten ein Spaziergang werden. Dachte ich! Etwa zwei Wochen vor dem Lauf musste ich dann aber doch etwas schlucken, als ich von über 1300 Höhenmetern gelesen hatte. Ganz schön sportlich, wenn man bedenkt, dass diese nicht wirklich als Hindernis gelten. Aber nun gut, es nützte ja nichts. Da müssen wir wohl durch.

Doch wie es im Leben eben ist, kommt alles meistens anders als man denkt….

Und so erwischten mich dann 10 Tage vor dem Start dann doch diese ekelhaften Viren, die diesen hässlichen Schnupfen und die nervigen Halsschmerzen mit sich bringen. Nachdem bereits unser komplettes Haus betroffen war, war es fast nur eine Frage der Zeit, bis ich auch an die Reihe kam. Und wie so oft, zum absolut unpassendsten Zeitpunkt.

Am Anfang redete ich mir ein, es sei Heuschnupfen, doch ein zufälliger Blutbefund holte mich ganz schnell auf den Boden der Tatsachen zurück. Ich war erkältetet – und glaubt man meinen Leukozythenwert, dann sogar richtig fett. Doch noch hatte ich Hoffnung – ich hatte noch Zeit bis zum Battle.

Benny versuchte mir in der Zwischenzeit schon fleißig meinen Start auszureden. Einmal hatte er mich auch so weit. Doch gerade als ich den Startplatz zum Verkauf anbieten wollte, wurde ich auf einen Spot zum Braveheartbattle aufmerksam. Und dann wusste ich wieder – NEIN, du musst fit werden, da willst du definitiv dabei sein!

Ich versuchte mich zu erholen und gab mir wirklich alle Mühe, wieder voll zu genesen. Aber es half nichts die Blutwerte blieben weiter bescheiden.

Und so entschloss ich mich einen Tag vor dem Lauf, nicht an den Start zu gehen. Wäre ich nicht in anderen Umständen, hätte ich es wahrscheinlich durchgezogen. Aber erkältet mit einem kleinen Wurm im Bauch an den Start zu gehen, wäre echt eine übertrieben Nummer gewesen.

Benny und ich starteten schon am Freitag. Wir machten uns am Späten Nachmittag auf den Weg Richtung Bayern. Alles lief nach Plan, wir kamen rechtzeitig in Bischofsheim an. Die Stadt war schon gut gefüllt, mit Bravehearts und denen, die es erst werden wollten.

Wir liefen Richtung Sportplatz und mussten schon auf unseren 700 Meter Marsch feststellen, dass es in der Gegend nicht nur leicht hügelig zu sein scheint. Im Festzelt war schon einiges los. Zwar keine fette Party, aber dennoch gute Stimmung bei guter Musik. Wir nahmen unsere Startunterlagen entgegen und verkosteten noch das Bier aus der Region, bevor wir Richtung Hotel aufbrachen.

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Unsere Pension lag etwa 20 Kilometer weiter westlich. In Poppenhausen. Ich war neugierig und wollte nochmal genau nachfragen. „Sind wir in Bayern oder doch noch in Thüringen?“ fragte ich den jungen Herrn an der Rezeption. „Tut mir leid, Sie sind in Hessen.“ lautete seine Antwort. Damit hatte ich so gar nicht gerechnet. Den Abend ließen wir gemütlich ausklingen und lagen schließlich 22 Uhr im Bett. Geile Zeit, wenn man bedenkt, dass unser Wecker erst um acht klingelte. Wir konnten also einmal so richtig auspennen.

Im Nachhinein – nun ja, wir hätten richtig ausschlafen können, wenn es die Betten erlaubt hätten.

Mit Rücken und Nackenbeschwerden quälten wir uns am nächsten Morgen aus dem Bett. Das Wetter, tja warum sollte ich es schön reden. Es war einfach den Umständen entsprechend. Kalt, leicht nass und dazu etwas windig.
„Naja, Start ist ja erst 11 Uhr!“ versuchte ich Benny aufzumuntern. Wir wählten ein ausgiebiges Frühstück beim Bäcker neben an. Dort trafen wir auch auf die ersten Mitstreiter. Einer der Verrückten hatte bereits jetzt seine Rennboots an – Barfußschuhe! Respekt, auf so einer Strecke in Barfußschuhen ist eine Nummer.

Nach dem Frühstück ging es aber endlich los. Auf dem Weg nach Bischofsheim mussten wir feststellen, dass hier doch noch Schnee lag. Den hatten wir am Vorabend wegen der Dunkelheit gar nicht gesehen. Das war jetzt wirklich kein schönes Bild!

In Bischofsheim war schon allerhand los. Die Feuerwehrleute sperrten bereits fleißig die Straßen, so dass es kaum möglich war noch einen Parkplatz im Ort zu bekommen. Doch mit ganz viel Charme und Augenzwinkern konnte ich den Herrn überzeugen, der uns schließlich die Straße frei machte. Und das Glück stand zum Glück auf unsere Seite – wir fanden noch einen letzten freien Platz etwa 300 Meter vom Festzelt entfernt. Optimal! Jetzt trafen wir auch auf die Jungs der Stiftung Wadentest, die schon fertig am Straßenrand herumhüpften und auf uns warteten.

Gemeinsam brachen wir nun zum Startfeld auf. Benny wollte unterwegs partout nicht am Bier vorbei, und gönnte sich noch ein schnelles. Hier und da wurden noch zwei drei Bilder geschossen und dann drängelten die Herren auch schon, dass wir doch zum Start müssen. „Männer – es sind noch 25 Minuten Zeit!“ Egal, die Herren der Schöpfung wollten erste Welle starten und so verabschiedeten sie sich von mir und machten sich auf den Weg ins Getümmel. Das war ja jetzt mal so ein richtig beschissenes Gefühl! Da stand ich nun, heiß auf diesen Lauf und doch am Rand und nicht im Feld. Wie gemein! Abgestellt wie ein kleines bockiges Mädchen, dass nicht mitspielen darf.

Ich suchte mir einen Platz direkt unter dem Startbogen. Auch diesen Platz durfte ich nach etwas ´bitte bitte, mit Dackelblick` behalten. Denn eigentlich hatte außer Presse hier niemand etwas zu suchen. So konnte ich den Start ganz nah miterleben und mir das Ganze Spektakel nun mal aus einer ganz anderen Perspektive anschauen. Während ich da stand, entdeckte ich neben mir ein bekanntes Gesicht. „Dich kenne ich doch! Wir sind schon mal zusammen gelaufen!“ Und dann fiel es mir ein „Du bist das Beast! Du bist zum Dragonheart teilweise mit uns gelaufen.“ Auch Veit erkannte mich wieder. Und schon war ich nicht mehr allein. Veit hatte Probleme mit dem Knie und musste nun auch kurzfristig auf die Zuschauertribüne. Wir entschlossen uns, den Tag gemeinsam zu verbringen und uns das Theater gemeinsam anzusehen. Er war in einer Gruppe unterwegs und so schlossen sich noch ein paar Mädels an. Wir machten uns auf den Weg und suchten uns einen ersten „Point of Interest“ Der Weg war nicht gerade kurz, aber wir sollten es in weniger als einer Stunde schaffen. Uns so lange brauchten sicher unsere Läufer, bis sie dort waren, da es laut Streckenplan der 10 km Punkt war. Angekommen, stellten wir fest, dass noch niemand aus dem offiziellen Rennen vorbeigekommen ist. Die einzigen Läufer auf der Strecke waren die Vorläufer. Sehr gut, damit konnten wir uns also auch mal ein Bild von der Spitze machen. Es dauerte ein paar Minuten, bis die ersten Läufer vorbei kamen. Sie quälten sich den kleinen Anstieg hinauf und nahmen den Weg DURCH die Autos. Es ging weiter durch das Reifenfeld, bevor sie die Naturdusche genießen konnten. Es dauerte viele weitere Minuten, bis die ersten Läufer aus Veits Gruppe kamen. Und dann, dann kam irgendwann auch Benny! Ich freute mich wie ein kleines Kind und war überglücklich ihn zu sehen. Es war das erste Mal, dass er läuft und ich an der Strecke stehe. Das gab es bei uns noch nie! Ich muss zugeben, es ist ein schönes Gefühl, der Erleichterung, seinen Lieblingsmenschen kämpfen zu sehen und zu sehen, dass es ihn noch gut geht. Die zurückliegenden Kilometer hatten ihn schon deutlich gezeichnet. Er erzählte mir, dass er bereits auf dem ersten Kilometer umgeknickt war. Außerdem war von den Jungs der Stiftung Wadentest weit und breit keine Spur, mein Schweini war also Einzelkämpfer. „Die Strecke ist sau hart!“ beschwerte er sich. Aber es nützte nichts. Er musste weiter. Es reichte noch für einen Kuss, dann war er auch schon wieder weg.

Nach einer Weile machten wir uns auf den Weg zum nächsten Punkt. Zufällig fuhr gerade ein Bus, so dass wir noch schnell einsteigen konnten und uns in die Stadt fahren lassen konnten. Wir waren zurück am Start. Jetzt zog es uns Richtung Zentrum. Dort angekommen, erkannten wir einige Läufer wieder. Wir hatten einige Probleme, uns zu orientieren, da die Läufer in der Zwischenzeit aus unterschiedlichen Richtungen kamen. Doch nach einem intensiven Blick auf die Karte wussten wir, wie der Hase läuft. Wir gingen noch ein Stück weiter ins Zentrum. Hier konnten wir zwei Teile der Strecke sehen und hatten damit alles besser im Blick J Ich stand nun vor den riesigen Strohballen und überlegte bei unglaublich vielen Läufern, ob ich sie vor oder nach Benny gesehen hatte. Geduldig stand ich mit meinem Schild an der Strecke und wartete einfach nur die Zeit ab. Ich war durchgefroren und eigentlich in ständiger Sorge um Benny. Dann kamen die Jungs der Stiftung Wadentest. Alle außer Kevin schienen eigentlich noch recht gut gelaunt und fit. Sie lagen deutlich hinter Benny. Nun hatte ich Angst, ihn schon verpasst zu haben. Sie liefen weiter und es dauerte schon noch ein Weilchen, bis schließlich endlich Benny über die Ballen kletterte. Durchgefroren, voller Schlamm und mit schmerzverzerrtem Gesicht stand er vor mir. „Ich glaube das verzeihe ich dir nie!“ sagte er mir. Ich besorgte ihm einen heißen Tee und wir verabredeten uns, uns nach dem kleinen Bogen auf der anderen Seite wiederzusehen.

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Keine fünf Minuten später kletterte Benny am anderen Ende der Straße aus dem Wasser. Ich gab ihm den heißen Tee. Er trank nur einen kleinen Schluck, den Rest goss er sich über seine erfrorenen Füße. Ich gab ihm außerdem meine trockenen Handschuhe, dann machte er sich auf den Weg. Ich traute mich gar nicht zu sagen, wie weit er noch muss und dass er wahrscheinlich erst etwas über die Hälfte hinter sich hat. Nun hatte ich wirklich Mitleid mit ihm.

In der Zwischenzeit meldete sich Markus bei mir. Er lief bis jetzt als Fotograf mit und hatte sich nun entschieden, auszusteigen. Er hatte genug Bilder und Videos im Kasten. Wir gönnten uns schnell was zu Essen und brachen dann gemeinsam mit Veit Richtung Ziel auf. Doch genau, in dem Moment, als wir das Zelt verlassen hatten, standen Marcel, Kevin, Andy und Christoph vor uns. Auch sie sahen nicht mehr wirklich glücklich aus. Andy zitterte so sehr, er bekam kaum ein Wort raus. Kevin schien einfach nur die Schnauze voll zu haben und Christoph hatte Schmerzen. Marcel kämpfte sich in seine Jacke. Eine Minute später kämpfte er sich aus der Jacke, denn auf dem Bild wollte er gefälligst ohne sein. Männer…

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Christoph schmiss ich noch fix eine Ibu zu und schon machten sich auch die vier auf den Weg. Auch sie hatten die Hoffnung, dass es doch nun eigentlich nicht mehr weit sein konnte.
Auf dem Weg zum Ziel verloren Markus und ich Veit aus den Augen. Wir suchten uns einen Platz direkt im Zielbereich. Alle mussten diesen verlassen, nur wir, die stark nach Läufern aussahen, durften bleiben. Damit hatten wir den perfekten Platz um unsere Läufer in Empfang zu nehmen. Und auch hier stand ich genauso ungeduldig wie in der Stadt. Ständig überlegte ich wann ich welchen der Läufer wo gesehen hatte und ob Benny in der Nähe lief.

Ich konnte es kaum erwarten ihn endlich im Ziel zu haben. Und dann war es irgendwann soweit. An seinem Schritt erkannte ich, dass er kämpfte. Und das meine ich ernst! Ich war mega happy ihn in die Arme schließen zu können. …und er, er war tierisch erleichtert, es geschafft zu haben. Und dazu noch im ersten Drittel.

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Die Strecke war anders als erwartet. Hatte ich ihm doch einen wundervollen Lauf quer durch die Natur versprochen, mit zahlreichen natürlichen und gut überwindbaren unnatürlichen Hindernissen, war es in Wahrheit eine harte Probe mit Schnee, eiskaltem Wasser und unendlich erscheinenden Höhenmetern.

Doch geschafft ist geschafft. Und der Stolz ist einfach unendlich groß!

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Und im nächsten Jahr… im nächsten Jahr steht Benny an der Strecke und die Mama läuft. Und dann wird geguckt, ob ich genauso schimpfe wie er 🙂

P.S. Benny hatte seine Startnummer verloren. Diese wurde ihm dann zugesteckt… Falls jemand seine Nummer sucht, die 1098 hängt bei uns im Keller. Wir werden dafür sorgen, bis sich der Besitzter meldet 🙂

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Wir sind Freizeitsportler. Manche vielleicht etwas ambitionierter als andere, aber im Großen und Ganzen nutzen wir einen Teil unserer Freizeit und investieren die Zeit in unsere Fitness und unseren Körper. Daran kann doch eigentlich erstmal nichts verkehrt sein, oder?

Meine Mutter ist, genau wie die meisten Mütter, natürlich um die Gesundheit ihrer Tochter besorgt. In der Regel hängt ihre Sorge, um meine Gesundheit, dann mit meiner Lust nach ständiger Bewegung zusammen. „Übertreibe es bitte nicht!“ „Gönn dir doch auch einfach mal etwas Ruhe!“ „Sag den Lauf doch einfach ab!“…das sind nur einige Beispiele, wie sich meine Mama dann mir gegenüber äußert. Da sie nun auch noch Ärztin ist, belegt sie ihre Sorge stets fachlich!

Als ich letztens auf einen Kaffee bei ihr war, hat sie mir ganz nebenbei eine Zeitschrift zugeschoben. Ich habe dies erst gar nicht gemerkt, wurde dann am Ende aber darauf hingewiesen, dass ich doch meine Zeitung nicht vergessen sollte. Die MMW Fortschritte der Medizin.
Die Titelseite verriet mir schon alles. Eine Frau, die gerade einen sauberen Liegestütz ausführt. Daneben die Aufschrift „Sport bis zum Kollaps“. Lesen macht ja aber nicht dümmer, also nahm ich die Zeitung mit.

Thema des eigentlichen Artikels ist „Sport als Suchtmittel“.

Diesem Bericht folgend gehen die Mediziner davon aus, dass 5% der Athleten als suchgefährdet gelten. Allerdings lasse sich nur sehr schwer feststellen, wie viel Menschen tatsächlich davon betroffen sind. Die 5% wurden mittels einer Befragung von 1000 Teilnehmern von Ausdauersportveranstaltungen ermittelt. Diese Sportler seien zumindest stark suchtgefährdet.

Was ist nun aber charakteristisch für eine Sportsucht?

Toleranzentwicklung, Entzugserscheinungen, erhöhte Reizbarkeit, Depressivität, Ängstlichkeit, dem  Gefühl der Fremdbestimmtheit und des zwanghaften Handelns  bis hin zum kompletten Kontrollverlust sind die Merkmale, die bei der Sportsucht, genau wie bei anderen Suchtkrankheiten aufgeführt werden.

Ein weiteres Anzeichen für eine Sportsucht ist beispielsweise auch die Tatsache, dass andere Aktivitäten zunehmend in den Hintergrund geraten. Die Freizeit und der Urlaub stehen dann nur noch im Zeichen des Trainings.

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Patienten die Sportsüchtig sind, stimmen folgenden Aussagen zu:

  • Sie erzählen Ihrem Umfeld nicht, dass Sie so viel Sport treiben
  • Sie ignorieren Warnzeichen des Körpers wie Schmerzen, Erschöpfung, Fieber und Stressfrakturen
  • Sie halten 100km Laufen oder 400km Radfahren in der Woche für normal und steigerungswürdig
  • Manche Sportarten, wie zum Beispiel das Radfahren gelten für Sie nicht als Sport
  • Keinen oder wenig Sport treiben zu können, empfinden Sie als Strafe, sie bekommen dann Entzugserscheinungen
  • Sie vernachlässigen soziale Kontakte
  • Sie stehen extra Früh auf, um vor der Arbeit laufen zu können
  • Wenn Sie Ihre Hauptsportart wegen Schmerzen oder Verletzungen nicht betreiben können , weichen Sie auf andere Sportarten aus, um Ihr Pensum zu erfüllen
  • Sie treiben Sport um eine positive Stimmung aufrechtzuerhalten

Aktuell diskutieren die Mediziner und Wissenschaftler noch über die Entstehung der Sportsucht. Man geht aber davon aus, dass manche Menschen in sensiblen Phasen besonders anfällig sind, um ein Suchtverhalten zu entwickeln.  Bei der Suchtentstehung erkennen die Psychologen sowohl biologische wie auch psychosoziale Ursachen. Zentral sind für die Mediziner vor allem die positiven Kontrollerfahrungen. Wir Sportler entwickeln durch Ausdauertraining spezifische Willensqualitäten, können besser als zuvor Ablenkungsreizen begegnen und erreichen schnell selbstgesteckte Ziele.

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Problematisch würde dies, wenn das Selbstwertgefühl von außen bedroht wird, dann werden Probleme mit Sport kompensiert. Der Sport wird zum Hauptmittel der psychischen Stabilisierung.  Mit der Zeit stellen sich dann Toleranzeffekte ein, wir müssen unser Trainingspensum immer weiter erweitern. Schließlich fixieren sich die Sportler zunehmen auf die sportliche Aktivität, wobei das Ausbleiben des Sport zum Stressor wird.
Und genau an diesem Punkt scheinen die Athleten die Kontrolle über ihr Handeln zu verlieren, der Sport wird zum Zwang.

Ich muss zugeben, dass ich meine Mutter bislang belächelt habe, wenn sie mir etwas von Sportsucht erzählen wollte. Doch ich muss ebenso zugeben, dass das ein oder andere Merkmal eindeutig zutrifft. Allerdings verstehe ich nicht, wie man sich verbessern soll, wenn man sein Pensum nicht erhöht. Und dass man in Zeiten der Verletzung auf andere Sportarten ausweicht, ist in meinen Augen auch logisch.

Jeder von uns, der sich entschieden hat ambitioniert Sport zu treiben, sehnt sich nach der Verbesserung seiner Leistung und würde damit automatisch Stück für Stück in das Raster eines Suchtkranken fallen.

Ich denke es ist unmöglich besser zu werden, ohne das Training zu intensivieren. Und damit wären wir alle irgendwie sportsüchtig.

Wo seht ihr euch? Mitten drin, in der Sportsucht, oder doch noch weit entfernt davon?

 

Quelle: MMW Fortschritt der Medizin Ausgabe vom 03. März 2016