Jedes Jahr nutzen hunderte Läuferinnen und Läufer die Berge rund um den Kyffhäuser, um sich auf den größten und kultigsten Crosslauf Europas – den GutsMuths-Rennsteiglauf vorzubereiten. Und genau das tat ich in diesem Jahr auch wieder. Begeisterte mich im letzten Jahr noch die Halbmarathondistanz, wählte ich in dieser Saison die volle Distanz über 42,195 Kilometer.

 

Im letzten Jahr kam ich erschöpft aber glücklich im Ziel an. Hinter mir lagen mehr als 22 Kilometer und 450 Höhenmeter, die ich in einer Zeit von 1:59 Stunden hinter mich gebracht hatte. Ich landete damit auf den wundervollen 100. Gesamtplatz, auf Platz 7 unter den Frauen und auf Platz 3 in meiner Altersklasse. Das war doch eine gute Vorlage, aber in diesem Jahr nicht drin. Aktuell sind schließlich andere Dinge wichtiger 😉 In diesem Jahr spielte die Zeit absoulut keine Rolle!

Da ich trotz der voranschreitenden Schwangerschaft absolut nicht auf das Laufen verzichten möchte, zog ich meine Marathonanmeldung auch nicht zurück. Mir geht es gut, meinem Kind geht es gut, dem Start stand also nichts im Weg.

Ich freute mich auf die Jungs der Stiftung Wadentest, auf Nils Schumann und alle anderen Läuferinnen und Läufer aus dem Bekanntenkreis, die ich sicher treffen konnte. Ich war im letzten Jahr begeistert von der Stimmung auf dem Festplatz. Noch Stunden nach dem Lauf tümmelte ich mich unter den Sportlern herum und genoss das schöne Wetter und feuerte alle anderen Mitstreiter an, die nach und nach ins Ziel liefen.

Das war rund herum schön und sollte doch in diesem Jahr auch so schön werden. Das Wetter zumindest stimmte schon mal.

Kurz nach 7.45 Uhr traf ich auf der Festwiese ein. Es war schon noch recht frisch, aber das wird schon noch werden. Ich holt meine Startnummer, zog mich um und traf mich mit den Jungs der Stiftung Wadentest im Startfeld. Schließlich mussten wir noch unser Vorher-Bild machen. Unsere Gruppe war auch schon mal größer, aber es nützte ja nichts. Die einen genossen das Laufen in Rom, der andere bevorzugte die Mountainbikestrecke und die nächsten mussten auf dem Fußballplatz stramm stehen. ABER keiner von uns war allein auf der Strecke. Ich wurde von Silvio begleitet, während Jens, Basti, Andy und Pascal die Halbmarathonstrecke bevorzugten.

Nach unserem kleinen Shooting machte ein netter Herr auf sich aufmerksam, der mit einer Kamera „bewaffnet“ war. Zunächst dachten wir, dass wir ein Foto von ihm machen sollten. Doch es war anders, er wollte ein Bild von uns…besser von mir. Komisch, aber nun gut, nett wie wir sind, ließen wir ein Bild machen. 🙂

Keine Minute später erklang auch schon der Startschuss. Mist, ich hatte unser Foto noch gar nicht gepostet. Gemeinsam mit mehr als 260 Läufern machten wir uns auf den Weg. Über 42 Kilometer mit mehr als 700 Höhenmeter lagen vor uns. Die Stimmung war super. Ich versuchte gleich zu Beginn das Tempo gar nicht erst hoch zu fahren. Das ist eigentlich so ziemlich das schwierigste am langsamen Laufen. Sich am Anfang nicht mitreißen zu lassen, von all den Läufern, die gern ein bisschen flotter unterwegs sind.

Silvio entschied sich, den Lauf gemeinsam mit mir durchzuziehen. Er hatte erst einen Marathon hinter sich und sah diese Herausforderung nun auch nur als Trainingslauf für den Supermarathon auf dem Rennsteig. Wie immer waren wir erstaunt, wie viele Läufer an uns vorbei zogen. In den meisten Fällen erkannten wir gleich, wen wir später wieder treffen würden. 🙂 Das ist eigentlich immer das Gleiche.

Die ersten (geschätzt) fünf Kilometer liefen wir Straße. Ein Anstieg war kaum zu spüren, aber teilweise vorhanden.  Ich war schon ein bisschen irritiert, weil ich mich voll auf einen Traillauf eingestellt hatte. Aber dann bogen wir rechter Hand auf einen Feldweg ab. Nun durften wir endlich in die Natur. Vorerst zumindest.
Nach guten acht oder neun Kilometern kamen wir in das Dorf Steinthaleben. Dort war die erste Verpflegungsstation. Mein Gummibärchen im Bauch hüpfte anscheinend fleißig auf meiner Blase herum, weshalb ich auf der Suche nach einer Toilette war. Die netten Damen und Herren zeigten mir den Weg zum Sportlerheim. Danke dafür, es war wirklich dringend 🙂

Noch nie bin ich einen Marathon mit Pinkelpause gelaufen. Eigentlich habe ich mich immer über diejenigen amüsiert, die ständig Toiletten aufsuchten. Nun war ich diejenige.

Die Strecke verlief zunächst weiter über Asphaltierte Straßen. Der leichte Anstieg zog sich und ich musste das Tempo ganz schön drosseln, um den Puls nicht zu hoch zu treiben. Dann kam der erste wirklich knackige Berg. Die Straße hinauf und dann rechts ab in den Wald. Die erste Hälfte des Berges liefen wir geduldig weiter, doch dann lag mein Puls bei 165, weshalb der Rest gegangen werden musste. Doch so wirklich schlimm fanden wir das gar nicht. Vor und hinter uns sind alle Läufer gegangen. Wir schlossen uns ihnen quasi nur an 🙂

Wir waren nun endlich im Gelände unterwegs. Die Trails waren jetzt wirklich wahre Trails, die teilweise unsere volle Aufmerksamkeit kosteten. Es folgte ein ständiges Auf und Ab und teilweise so steile Anstiege, dass der Puls selbst beim Gehen bei 160 lag. Aber es war schön. Wir unterhielten uns gut, teilten hier und da ein paar Erfahrungen mit anderen Läufern aus und lauschten gespannt den Geschichten einer offensichtlich sehr erfahrenen Marathonläuferin, mit einigen tollen Läufen im Petto.

KBL 2

Wir hatten den Fernsehturm lange hinter uns gelassen und näherten uns dem Kyffhäuser Denkmal. Der Weg nach oben war noch mal alles andere als ein entspanntes Läufchen. Aber die Belohnung oben war es eindeutig wert. Dort wartete die wohl schönste Streckenverpflegung auf uns, die ich jemals mitgenommen hatte. Keine Spur von ekelhaften Shakes und Liquides, Riegeln oder sonstigen künstlichen Zeugs. NEIN! Wundervolle selbst zubereitete Brote mit Butter, zahlreiches Obst, Salz, Zucker, Getränke vom alkoholfreien Bier bis zum Tee. Richtig schön!

Nach einem Fotoshooting, einem Plausch hier und da, mussten wir uns aber wieder auf den Weg machen. Ich hätte ewig da oben bleiben können. Doch fünf Minuten sollten und mussten reichen.

KBL 1

Jetzt ging es erstmal wieder bergab. Hinein in den Wald und die wundervollen Waldwege entlang. Links von uns steile Abhänge, quer über Wurzeln und Äste, schlammiger und weicher Boden, hier und da ein paar einsame Wanderer…so, wie ich es mir gewünscht und vorgestellt hatte.

Mehr als 23 Kilometer lagen nun schon hinter uns. Das langsame Laufen belastet meine Knie immer weit mehr als das Laufen auf Tempo. Aber was soll´s sie mussten nun doch noch ein Stück durchhalten.

Ich weiß nicht mehr genau wann, ich glaube aber nach etwa 28 Kilometern trafen wir auf die Strecke der Halbmarathonis. Nun lief ich quasi auf bekanntem Gebiet. Immer wieder wurde ich von meinen Mitläufern angesprochen und gefragt, wie viele Kinder ich hatte. Und alle waren erstaunt, als ich von einem zu Hause und einem im Bauch sprach. Aber alle fanden es super, dass ich noch laufe 🙂

Es dauerte nicht lang und wir blickten nochmal auf das Kyffhäuser Denkmal. Genial, wenn man sieht, welche Strecke man nun bereits hinter sich hat. Nicht lange und die Strecke führte uns vorbei an den Obstplantagen. Ich wusste, dass ich dieses Stück genießen sollte, denn dann würde der letzte steile Anstieg auf uns warten. Der Weg zum Flughafen.

Nun rollte ein älterer Herr das Feld von hinten auf. Ihn hatte ich die ganze Zeit noch nicht gesehen. „Ich laufe eigentlich schon lange, so ca. 200 bis 300 Meter hinter euch, konnte euch aber bis jetzt nicht einholen.“ Nun hatte er es erstmal geschafft. Leider konnte er am Berg nicht dran bleiben. Aber im Ziel trafen wir Ihn dann wieder! 🙂

Nachdem wir diesen letzten hässlichen Anstieg hinter uns gelassen haben, ging es ein letztes Mal in den Wald. Dort kamen wir mit einem Läufer ins Gespräch, den wir schon mehrfach gesehen hatten. Auch er schien sich Zeit zu lassen. Er war ebenso wie ich, mit einem Trinkrucksack bewaffnet. Wir nutzten die Zeit um uns ein wenig über das Ultramarathon-Laufen zu unterhalten.

Auch diesen Läufer mussten wir leider hinter uns lassen, denn er kämpfte aus dem Nichts mit einem Krampf. Zwei Kilometer vor dem Ziel. Wie unfair ist das denn!?

Ab jetzt ging es bergab. Wir konnten das Tempo nochmal kurz erhöhen. Es dauerte nicht lange, da hörten wir endlich die Musik von der Festwiese. Wir entdeckten den schiefen Turm, ließen noch ein paar Mitstreiter hinter uns und ich freute mich über ehemalige Kollegen vom DRK, die mir vom Rand aus zuriefen. Außerdem bekamen wir in der parkähnlichen Anlage in der Stadt noch wundervolle Komplimente. „Ihr seht aber noch fit aus!“ 🙂 Ja, das waren wir ehrlich gesagt auch noch.

Und dann… dann war es auch schon so weit. Vor uns tauchte das Festzelt auf, hinter dem sich das Ziel versteckte. Plötzlich stand auch der Herr vor uns, der zu Beginn das Foto von uns machte. Wir legten einen vorbildlichen Schlusssprint hin und überquerten nach 4:54 Stunden die Ziellinie.

Ich wurde als 4. Frau in meiner AK angekündigt. Cool, dachte ich und musste das Ergebnis natürlich gleich mit verkünden. Ohne darüber nachzudenken, dass ich damit auch die Letzte in meiner AK war. Naja, ausversehen ein bisschen große Klappe gehabt.

KBL 3

Bevor ich meinen Bericht nun beende, muss ich noch eins erzählen. Der Herr, der am Anfang ein Foto von mir machte, stand auch im Zielbereich wieder vor mir. Dieses Mal nicht allein, sondern mit einer aufgeschlossen jungen Frau. Sie erzählte mir, dass sie meinen Bericht vom letzten Jahr gefunden hat und meine Facebook-Seite. Der Auftritt im Netz hat ihr gefallen. Deshalb auch die Bilder 🙂 Das war also des Rätsels Lösung.

Fazit: Der Kyffhäuser Berglauf bleibt ein fantastischer Vorbereitungslauf vor dem Rennsteig und ein Lauf, der definitiv einiges abverlangt.

 

Der nette Mann, von dem ich erzählte, der die Bilder gemacht hat, sein Name ist Anton,  hat übrigens ebenfalls einen Beitrag zum Lauf verfasst und dazu gibt´s von ihm jede Menge Bilder von seinem „Biermarathon“ 🙂

Antons Biermarathon auf dem Kyffhäuser

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