Was ist dran, an dem Gerücht, dass der Kyffhäuser-Berglauf zu den schwierigsten Läufen Thüringens zählt?

Schaut man sich das Profil entlang der Unstrut an, stellt man schnell fest, dass wir in dieser Region keine Berge haben. Dennoch reizt mich das Laufen im Gelände mit ordentlichem Profil. Man muss sich konzentrieren, sich noch mehr anstrengen und genau lernen seine Kraft und Ausdauer einzuteilen. Da dieses Interesse an den Bergläufen auch nach den ersten Wettkämpfen in den Thüringer Höhenlagen nicht nachgelassen hat, habe ich mich in den letzten Wochen einer Laufgruppe um Nils Schumann angeschlossen, die für den Kyffhäuser-Berglauf trainierte. Zehn Trainingsstunden mit unterschiedlichsten Herausforderungen standen auf dem Plan. Nils hat mich zum ersten Mal richtig an meine Grenzen gebracht. Kein schönes Gefühl, aber ein absolutes Muss um seine Leistungen zu steigern.
Nachdem ich bereits den Halbmarathon über den Thüringer Rennsteig gelaufen bin, war ich überzeugt, dass es doch „schlimmer“ nicht werden könnte. Diese Strecke habe ich eigentlich als recht angenehm empfunden.
Allerdings hatte ich nun hier und da schon erfahren, dass der Kyffhäuser mit seinen sehr langen Anstiegen oft deutlich anstrengender empfunden wird.

Nun ja, jetzt liegen mehrere Bergläufe hinter mir… und ich muss gestehen, der Kyffhäuser war in meinen Augen ebenfalls der anspruchsvollste Lauf.

Schauen wir kurz auf die Halbmarathon-Strecke des Rennsteigs. Hier liegt der höchste Punkt zwar in einer Höhe von 973 Metern, allerdings muss man als Läufer insgesamt „nur“ 293 Höhenmeter im Anstieg bewältigen.

Unbenannt
Ein weiterer bekannter Berglauf in Thüringen ist der Possenlauf. Auf einer Strecke von 21,84 Kilometern überwinden die Läufer insgesamt 394 Höhenmeter. Auch wenn der Possen bei weitem nicht an die Höhe des Rennsteiges herankommt, die zu bewältigenden Höhenmeter sind weit mehr. Während es die ersten Kilometer einigermaßen entspannt zugeht, wird man auf dem Possen ab dem Kilometer 15 an seine Grenzen gebracht. Selbst kurz vor dem Ziel gibt es kein Erbarmen, der steilste und anstrengendste Anstieg wartet wenige hundert Meter vor der Ziellinie auf die Läufer.

Profil Possen
Auf dem Kyffhäuser warten 331 zu überwindende Höhenmeter auf die Läufer. Womit dieser im Blick auf die Anstiege zwar vor dem Rennsteig liegt, aber aus dieser Sicht nicht an die Höhenmeter des Possens herankommt.

Profil Kyffh

Machen allein die Anstiege einen Lauf zum anstrengendsten Lauf?

In meinen Augen ganz klar – NEIN. Den Rennsteiglauf bin ich aufgrund einer Erkältung ganz ruhig angegangen. Ich habe ständig meinen Puls kontrolliert und darauf geachtet nicht zu stark im anaeroben Bereich zu laufen. Gestartet bin ich hier im letzten oder vorletzten Block. Tausende Läufer waren bereits auf dem Rennsteig unterwegs. Ich mitten unter ihnen. Mit etwa 16000 Läufern und Wanderern auf der Strecke, musste man sich während des gesamten Laufs konzentrieren und darauf achten, mit keinem der anderen Teilnehmer zu kollidieren. Teilweise waren die Wege sehr schmal. Vor allem an den Anstiegen musste man sich schon Mühe geben, wenn man andere Läufer überholen wollte. Diese ständige starke Konzentration und Aufmerksamkeit lenkt einen von der Distanz und den Höhenmetern ab, die ich während dieses Wettkampfes als nicht so schwierig empfunden habe. Dieser Lauf ist ein sehr bekannter und mit seiner hohen Teilnehmerzahl der größte Crosslauf Thüringens. Das spürt man auch auf der gesamten Strecke. Man passiert immer wieder Streckenabschnitte, an denen einen viele Zuschauer zujubeln. Das gibt einem viel Kraft und motiviert.
Ganz anderes sieht es allerdings auf dem Possen aus. Mit insgesamt 784 Teilnehmern, von denen 143 den Halbmarathon absolvierten, ist dieser Lauf ein sehr kleiner Volkslauf. Mit dem Wetter kann man im März noch viel Pech haben. Die Teilnehmer der letzten Jahre sagten bereits, dass es zum Possenlauf immer sehr kalt ist. Teilweise gab es sogar Schnee. So auch in diesem Jahr. Wir starteten während Schneeflocken vom Himmel fielen. 143 Läufer auf einer Strecke von 21 Kilometern…das „verläuft“ sich recht schnell. Die ersten acht Kilometer habe ich immer eine Gruppe Läufer vor und hinter mir gehabt. Zwischendurch traf man auch den ein oder anderen Mountainbiker, was aber überhaupt nicht störte. Die Strecke war auch bis zur Hälfte immer einer sehr gute Mischung aus An- und Abstiegen. Nach etwa 15 Kilometern ging es jedoch stark die Berge hinauf. Die Wege führten dann weiter durch die Wälder, wurden jedoch immer schmaler und unbefestigter. Da ich mich in der Zwischenzeit aber bereits von den Läufern hinter mit abgesetzt habe und die Läufer vor mir auch nicht mehr in Sicht waren, konnte ich diese Streckenabschnitte genießen. Auch die zum Teilen starken Anstiege konnten in aller Ruhe in Angriff genommen werden, ohne sich an anderen Teilnehmern vorbeidrängeln zu müssen. Sehr kämpfen musste ich aber kurz vorm Schluss. Hier führte die Strecke einen enomren Anstieg hinauf. Hinterher habe ich erfahren, dass dieser Berg der Rodelberg ist. Ich kann mir vorstellen, dass man auf dem Schlitten gut in Fahrt kommt. Für uns Läufer war dieser letzte Anstieg aber alles andere als leicht. Zusammenfassend habe ich diesen Lauf als sehr entspannt empfunden und kann diesen nur empfehlen. Auch wenn man bei diesem die meisten Höhenmeter überwinden muss.

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Nun zum berüchtigten Kyffhäuser-Berglauf. Mitte April kann man mit dem Wetter sowohl Glück wie auch Pech haben. In diesem Jahr hatten wir Glück. Der Himmel war strahlend blau, die Sonne schien und der Wind wehte ganz leicht. Die Stimmung auf dem Schlossplatz war super. Insgesamt waren 2446 Teilnehmer gemeldet. Davon sind 311 zum Halbmarathon gestartet. Auch diese Zahl ist im Vergleich zum Rennsteiglauf sehr gering. Das Profil ist mit 331 Höhenmetern kein Katzensprung aber liegt ja eigentlich deutlich unter den Höhenmetern des Possens. Das schwierige an diesem Lauf ist allerdings, dass es die ersten acht Kilometer stetig bergauf geht. Man hat das Gefühl man wäre schon unzählige Kilometer gelaufen und ist dann um so erschrockener, wenn man das erste Hinweisschild mit der 10 Kilometer Marke wahr nimmt. Hier fiel mir auf, dass ich dann doch langsam mal mehr Gas geben muss, wenn ich unter der Zwei-Stunden-Marke bleiben möchte. Auf der Karte habe ich nicht wahr genommen, dass es nach etwa 14 Kilometer erneut einen Anstieg gibt.
Konzentriert man sich auf die Zeit, fällt einem gar nicht die tolle Laufkulisse auf. Etwa auf der Höhe von 10 Kilometern hat man zur linken Seite einen wundervollen Blick auf das Kyffhäuser-Denkmal. Mir wäre dieses gar nicht aufgefallen, wenn mir nicht ein anderer Läufer den Hinweis gegeben hätte. Wie gesagt, zwischen dem 10. und dem 14. Kilometer geht es gut bergab. Hier hat man die Möglichkeit wieder einiges aufzuholen. Dann kommt man in dem Örtchen Udersleben an. Hier jubeln einem die Dorfbewohner zu und man hat nochmal die Möglichkeit sich zu stärken. Ortsauswärts kommt allerdings die nächste Hürde. Wieder ein Anstieg. Jetzt führt die Strecke nicht mehr durch den Wald, sondern es geht über offene Felder hinauf. Jetzt spürte man auch den Wind, der teilweise deutlich als Gegenwind spürbar wurde. Mit dem Blick auf die anderen Läufer erkannte ich schnell, dass mit diesem erneuten Anstieg viele nicht gerechnet haben und alle kämpfen mussten und an ihre Grenzen gegangen sind. Die letzten Kilometer führten, wie bereits gesagt über offene Feld- und Wiesenwege. Dann ging es nochmal ein Stück durch den Wald. Immer wieder bergauf und -ab. Und dann, mit dem Verlassen des Waldes hörte man die Musik vom Schlossplatz und traf auf die Wanderer und Radfahrer. Jetzt wusste ich, dass es gleich geschafft ist. Nun hatte ich auch die Kraft die Läufer vor mir noch einzuholen. Ich hatte die ganze Zeit die junge Frau mit ihrem blonden langen Pferdeschwanz und ihren weißen Kompressionsstrümpfen vor mir. Jetzt war es an der Zeit auch sie hinter mir zu lassen.
Ich wusste, dass ich bekannte Gesichter aus dem Lauftreff mit Nils treffen würde. Genauso wie Nils, der sicher schon seit einer Weile im Ziel sein wird. Das hat mir nochmal Kraft gegeben. Ich wollte unter zwei Stunden bleiben. Dann erreichte ich den Schlossplatz, das Ziel war kurz vor mir. Jetzt nochmal alle Kräfte sammeln und einen Sprint hinlegen. Ich hörte die Sprecherin den Einlauf ankündigen – „Hier kommt eine schnelle Frau. Christiane Kind ist nach einer Stunde und 59 Minuten im Ziel.“ Genial!
Kurz hinter der Ziellinie traf ich gleich meinen ehemaligen Klassenkameraden Max. Er hat schon mit Wasser in der Hand auf mich gewartet. Ich war überglücklich, aber auch am Ende. Ich hatte unwahrscheinlichen Durst. Durch die gute Verpflegungsstation im Zielbereich war das jedoch überhaupt kein Problem. Schnell hatte ich mich wieder gefangen und konnte meinen Erfolg genießen.
Die Stimmung auf dem Schlossplatz war super. Ich traf Nils und bekannte Gesichter und alle haben mir ihren Respekt ausgedrückt. Denn die Zeit von 1:59 Stunden auf 22 Kilometer mit diesen Höhenmetern ist wirklich eine sehr gute Leistung. Auch die Platzierung verdeutlichte dies. Im nachhinein teilte mir Lauftrainer Nils Schumann mit, dass man auf dieser Strecke nicht auf die Zeit achten könnte. Hätte er mir das vorher gesagt, hätte ich diese Zeit nicht erreicht.
Nachdem ich mir ein Radler gegönnt habe, feuerte ich die eintreffenden Marathonis und Mountainbiker an. Im Zielbereich traf ich weitere Bekannte. Der Ausklang des Nachmittages auf dem Schlossplatz war toll.


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Vergleiche ich diese drei Halbmarathon-Cross-Strecken muss ich persönlich sagen – sie sind jede auf die eigene Art toll. Die Bekanntheit des Rennsteiges, die einen reizt, die Ruhe auf dem Possen und die super Atmosphäre auf dem Schlossplatz in Bad Frankenhausen. Für mich persönlich war der Kyffhäuser der schwierigste und anspruchsvollste Lauf. Diese Einschätzung ist aber auch immer von der Tagesform abhängig. Vielleicht war ich auf dem Possen oder Rennsteig auch einfach fitter und habe die Anstiege dort deshalb als angenehmer empfunden. Ich weiß es nicht. Fest steht aber – ich laufe im kommenden Jahr wieder! Auf allen drei Events.

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