DER SCHARFENSTEINLAUF – DAS AUF UND AB IM EICHSFELD

Thüringen bietet seinen Läufern in der Zwischenzeit unzählige Möglichkeiten an Wettkämpfen auf unterschiedlichsten Strecken teilzunehmen. So zog es mich vergangenes Wochenende erstmalig zum Scharfensteinlauf ins Eichsfeld…einer der traditionsreichsten Läufe Thüringens.

Ich schreibe Fitness sehr groß. Zu Fitness gehört nicht nur das Laufen, sondern Vieles mehr…das ist klar. Deshalb trainiere ich seit etwa einem Jahr unter Anleitung der Trainer rund um das Team der Prana Sportslounge von Nils Schumann. Natürlich kommt man dann auch ins Gespräch, tauscht sich aus und saugt Informationen rund um das Thema Sport auf. Ab und an höre ich da auch von dem ein oder anderem Lauf, den ich vorher nicht kannte. So kam es auch, dass mir der Scharfensteinlauf eigentlich nur wegen Nils aufgefallen ist.

Da ich aktuell gemeinsam mit meiner kleinen Schwester für einen Halbmarathon in den Schweizer-Alpen trainiere, war ich von der verschiedenen Streckenwahl und dem Profil des Scharfensteinlaufs gleich begeistert. Gesehen, gehört und sofort angemeldet.

Nathalie und ich waren also dabei. Auch unsere Schwägerin Synke entschloss sich kurzfristig uns zu begleiten. Für meine kleine Schwester war es der erste Lauf unter Wettkampfbedingungen. Und für beide war es hinzu der erste Lauf im Profil. Ich trainiere mit Nathalie bewusst seit vielen Wochen in bergigen Gegenden sie war also darauf vorbereitet, aber für Synke, die zwar seit längerem läuft, war es der erste Lauf im Gelände.
Ich selber kenne solche Strecken und habe bereits mehere Halbmarathondistanzen im Profil zurückgelegt…aber ich stehe wenige Tage vor dem nächsten Marathon und war hin und her gerissen, mit welcher Leistung ich den Scharfensteinlauf bewältigen wollte. Auf der einen Seite hatte ich die ganze Zeit im Kopf, dass es ein kleiner Teilnehmerkreis war und ein Platz auf dem Treppchen angestrebt werden könnte, auf der anderen Seite wusste ich, dass kurz vor dem Marathon laut Trainingsplan keine Läufe im hohen Pulsbereich angedacht sind.
Nun ja, wir waren angemeldet und in erster Linie stand die Teilnahme und das Durchkommen auf dem Plan.

20150523_094606Der Start war für Punkt zehn Uhr geplant. Leider gab es keine Sensoren, die den genauen Start der einzelnen Läufer registrierten. Somit wussten wir bereits vor Beginn, dass nur unsere Bruttozeiten erfasst werden. Aber egal. Das Lauffeld war übersichtlich und wir sicherten uns Plätze in der fünften oder sechsten Reihe, so dass der Zeitverlust gering war.
Ich habe Nathalie noch fix ein paar kleine Tipps gegeben. Ich wusste, dass es zu Beginn fast nur bergab geht. Sie sollte also in einem flotten Tempo loslaufen. Zwar braucht sie Kraft um nach dem fünften Kilometer die Berge hinauf zu kommen, doch kann man aufgrund des steiler werdenden Profils nach der ersten Hälfte der Strecke, am Ende kaum noch Zeit rein laufen. Außerdem sollte sie sich auf sich konzentrieren, nicht auf die anderen Läufer. Sich im ersten Lauf gleich mit anderen Läufern messen zu wollen ist sicher nicht unbedingt sinnvoll. Nun gut, pünktlich zehn Uhr fiel der Startschuss durch Nils. Die ersten hundert oder zweihundert…vielleicht auch dreihundert Meter liefen wir erstmal einen leichten Anstieg hinauf. Ich versuchte mich fix an den anderen Läufern vorbeizudrängeln, was mir auch recht gut gelang. Dann ging es auch schon bergab – und zwar fast über drei Kilometer. Alle zwei Minuten habe ich gemerkt, wie meine Uhr am Arm vibrierte. Ich wusste, dass ich zu schnell war. Aber bergab langsamer zu laufen fiel mir jetzt am Anfang einfach zu schwer. Also flitzte ich die ersten Kilometer mit einer Pace um die vier Minuten durch. Egal, dachte ich.
Etwa nach vier Kilometern änderte sich das Ganze dann. Nun kamen die ersten Anstiege. Etwa nach 5,5 Kilometern ging es dann den berüchtigten „Kreuzweg“ hinauf. Hier habe ich mich bereits in der ersten Runde etwa nach der Hälfte des Anstieges entschieden, die nächsten 300 Meter zu gehen. Froh war ich, dass dies auch alle anderen Läufer um mich herum gemacht haben. Sonst hätte ich es wahrscheinlich wegen des schlechten Gewissens gelassen und wäre auch diesen hinauf gelaufen.
Nach diesem steilen Anstieg hatten wir es aber geschafft. Die letzten drei Kilometer führte die Strecke durch leichtes Profil, bis wir kurz vor dem Ziel bzw.  der zweiten Runde nochmals den Anstieg zur Scharfensteinburg in Angriff nehmen mussten. Aber an diesem gaben sich die Zuschauer alle Mühe einem diese Hürde möglichst zu erleichtern, was bei mir auch immer gelingt.
Ich freute mich für die jenigen, die an dieser Stelle abbiegen durften und ins Ziel einlaufen konnten. Ich musste allerdings noch in die zweite Runde.
Auf den ersten neuen Kilometern lief ich mit einer Läuferin, die ein gutes aber machbares Tempo vorgab. Allerdings schien sie in der zweiten Runde nochmal ein bisschen mehr Tempo hineinbringen zu wollen. Das war mir dann doch zu viel. Zu sehr hatte ich meinen bevorstehenden Marathon im Kopf. Also lies ich sie laufen 🙂 Ich hatte außer ihr auch keine anderen Frauen gesehen, wusste also nicht um welchen Platz wir liefen. Sicher war ich mir aber, dass es sich nicht um den ersten Platz handelte. Und ob ich nun zweite oder dritte oder auch vierte oder fünfte bin, darauf kam es mir nicht an.
Die Abstiege auf den ersten Kilometern ging ich nun ruhiger an und versuchte meinen Puls wieder herunter zu fahren. Nicht ganz einfach, aber ich hatte dafür ja fast vier Kilometer Zeit. Dann die Anstiege. Diese liefen sich in der zweiten Runde, ganz klar, nicht mehr so gut wie in der ersten. Aber ich kam sie laufend hinauf und das war doch das Wichtigste. Einzige Ausnahme – der Kreuzweg. Diesen bin ich in dieser Runde wieder gemeinsam mit allen anderen Läufern um mich herum hinaufgegangen. Danach ging es dann endlich Richtung Ziel. Ich bereitete mich im Kopf schon die ganze Zeit auf den letzten Aufstieg, den Weg zum Ziel, vor. Und dann war es auch endlich soweit. Nach 1:35:27 war ich im Ziel!

IMG-20150523-WA0011_20150523221552207Im Ziel angekommen hörte ich den Sprecher sagen „Wir begrüßen Christiane Kind als dritte Frau im Ziel.“ Yes!!! Freute ich mich…doch dann – „Oh, tut mir leid…die fünfte Frau im Ziel.“ Ach Mensch, ich hatte mich gerade sooooo gefreut. Aber egal. Ich bin die zweite Runde viel zu ruhig gelaufen, um eine Chance auf einen Platz auf dem Treppchen zu bekommen.

Am Ziel wartete schon Nathalie auf mich. Humplend. Oh je… Doch sie ist gut durchgekommen und auf den neun Kilometern ist sie unter einer Stunde geblieben. Zielzeit 59:28, womit sie sehr zufrieden sein kann. Vor allem, wenn man sich die Ergebnisliste anschaut. Sie hat immerhin noch sieben Frauen hinter sich gelassen. In ihrer Alterklasse verpasste sie den dritten Platz ganz knapp um 28 Sekunden. Sie sah glücklich aus, auch wenn sie Schmerzen hatte. Und ich war stolz auf sie.

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Gemeinsam warteten wir noch auf Synke. Auch sie kam noch unter zwei Stunden mit einer Zeit von 1:54:05 ins Ziel. Und auch sie war mit ihrer Leistung zufrieden.
Da der Veranstalter alle Altersklassen auszeichnete, habe ich dann doch noch meinen dritten Platz erhalten. Ärgerlich ist nur, dass die Erst- und Zweitplatzierte meiner AK gleichzeitig auch Erst- und Drittplatzierte in der Gesamtwertung waren. Gut zu wissen, in der stärksten Altersklasse zu laufen. Auch Synke schaffte es in ihrer AK aufs Treppchen.

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Alle Ergebnisse mit der Möglichkeit die persönlichen Urkunden auszudrucken gibt es hier: Ergebnisse Scharfensteinlauf

Zusammenfassend kann ich sagen, dass es eine sehr angenehme und gut laufbare Strecke ist. Wie bei allen Läufen würde ich sagen – im nächsten Jahr gern wieder 🙂

 

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