Wie habe ich mich gefreut, als ich gehört habe, dass die Veranstalter des GTTR auch einen Run im Sommer anbieten wollen. Anspruchsvolle Hindernisse, tolle Strecke….nur eben keine Minusgrade. Klingt nach einem Rennen zum Verlieben. Ganz klar, da wollten wir dabei sein!

So entspannt kann man sein…

Anders als sonst, fuhren wir am 10. Juni ganz entspannt nach Mellrichstadt. Zwar waren wir uns durchaus bewusst, dass eine Vielzahl der Hindernisse für uns eine enorme Herausforderung darstellen wird, aber wir mussten keine eisige Kälte, keine eisigen Taucheinheiten, keine erfrorenen Hände…fürchten. So war an diesem Samstag kein Gejammer, Gestöhne oder Geschimpfe im Auto zu hören. Prima 🙂

Gut in der Zeit, kamen wir bei strahlend blauem Himmel auf dem Gelände an. Wir hörten schon die Stimme des Kallinators über die Lautsprecher. Genial! Super Stimmung, bei bestem Wetter. Schnell waren die Startunterlagen geholt, was alles wirklich zügig geklappt hat. Umziehen, das gewohnte Gruppenbild machen und dann eilten wir los, denn wir wollten die Elite starten sehen. Kurz zuvor sahen wir noch Hagen und Kenny mit ihrem Team, als sie sich warm liefen. Eigentlich dachten wir, dass Hagen nicht startet. Schön, dann wussten wir jetzt also, wem wir heute unsere Daumen für den Sieg drückten.

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Pünktlichkeit – wird überbewertet 😉 

Am Start stellten wir fest, dass wir wohl mit Verzögerungen rechnen mussten. Die Elite startete, wenn ich mich nicht täusche, mit mehr als 20 Minuten Verspätung, womit klar war, dass auch wir in Welle zwei nicht pünktlich die Strecke stürmen werden.

Ich hatte morgens 6.30 Uhr gefrühstückt. In der Sonne stehend, merkte ich schnell, dass sich meine Speicher eigentlich schon langsam wieder leerten. Zum Glück stand ein kleiner Junge mit Pink Lady Äpfeln hinter mir. Da ich so einen vertrauensvollen Eindruck machte, gab er mir einen Apfel, für den ich ihm zwei Euro nach dem Lauf versprach.

Während wir warteten und warteten verausgabten sich ein paar Mitstreiter bei einer kleinen Liegestütz-Challenge. Ich glaube, der Gewinner hat über 200 PushUps gemacht und sich damit einen Startplatz für the Race V gesichert. Jeder andere von uns hätte danach wahrscheinlich seine Arme für den Lauf vergessen können…sofern man überhaupt annähernd an die 200 gekommen wäre 🙂

Gut, genug vornweg…mit ordentlicher Verspätung (hatte ich schon erwähnt, oder?) standen dann schließlich auch wir bereit. Hinter den ersten Eskaladierwänden sammelten wir uns und sicherten uns dieses Mal vernünftige Plätze in der zweiten und dritten Reihe. Kurze Zeit später war es dann so weit, nun durften auch endlich wir auf die Strecke.

Start

Schnell hatten wir, also Benny, Clemens, Markus, Silvio, Patick und ich, die Wände hinter uns gelassen, krochen unter dem Absperrband durch und sprangen in die ersten Schlammgruben. Das waren ein paar. Ich schätze etwa sechs oder sieben!? Gelungene Einstimmung auf 18 wundervolle Kilometer 🙂

OCR-Bilder
Quelle: ORC-Bilder – Michael Schröder

Doch damit nicht genug, nach einer kurzen Laufstrecke kämpften wir uns durch die nächsten Schlammgruben. Das weckte starke Erinnerungen an die endlos erscheinende Schlammschlacht in England.

Weiter ging es. Immer wieder wurde unser Weg von der einen oder anderen Eskaladierwand gekreuzt. Ich hatte mir vorgenommen sie zu zählen, habe ich aber mal wieder vergessen. Kurze Zeit später reihten wir uns in eine kurze Schlange ein. „Lauft bitte ohne Säcke weiter!“ riefen die Marshalls zum wiederholten Mal. Alle schauten sich verblüfft an und gingen dann ohne Säcke auf die Strecke. Selbstverständlich wechselten wir unterwegs immer wieder mit anderen Läufern. Was für ein Glück, kaum vorstellbar, dass man die komplette Länge allein hätte bezwingen müssen. Schließlich waren das saftige 1,5 Kilometer. Durch den relativ häufigen Wechsel und die Erholungsphasen dazwischen, lief es sich allerdings ganz gut. Wir haben nur irgendwann gemerkt, dass wir dann doch alle Säcke auf den Schultern hatten. Gegenseitig konnten wir uns nun keine mehr abnehmen. Aber meine Rettung kam von hinten, eine andere Läuferin fragt mich ob sie mir auf den letzten Metern den Sack abnehmen soll…und da sage ich doch nicht nein 😉

„Höhenmeter gibt es heute nicht!“ …“Vergiss es!“ 

Ich hatte den Eindruck, dass wir von nun an bergauf liefen. Hinzu kamen die Eskaladierwände, die man etwa alle 100 Meter überwinden musste. Nach weiteren 800 Metern kamen wir zur nächsten „Station“. Hier durften wir Steine tragen. Keine kleinen Steinchen, nein, es waren richtig schöne schwere und vor allem unhandliche Steine. Zum Glück war diese Strecke nur etwa 300 Meter lang.

Jetzt liefen wir erstmal etwas mehr als zwei Kilometer. Keine Frage, es war ein Hindernislauf, weshalb wir auf dem Weg natürlich verschiedenste Hindernisse bezwingen mussten. Eskaladierwände, Kriechhindernisse, negative Wände…. Und obwohl ich es zu Hause an unserem Klettergerüst geübt habe, die Wände mit einem Hüftaufschwung zu meistern, habe ich es mir nicht getraut. Scheint Kopfsache zu sein. Man sieht nicht, was hinter der Wand ist, das macht es mir unwahrscheinlich schwer, einen gewissen Punkt zu überwinden.

Auf diesem Stück mussten wir auch eine Weile warten. Nicht, weil es sich an einem Hindernis staute, sondern weil sich Benny an der Hand verletzt hatte. Er wurde von den Sanitätern versorgt, während wir alle Läufer an uns vorbeiziehen sahen, die wir auf den ersten sechs Kilometern mühselig überholt hatten. Aber egal…spätestens jetzt war uns wieder einmal mehr klar, dass die Zeit keine Rolle weiter spielt. Ankommen und Spaß haben, das war nun unser Ziel. Wobei wir eigentlich alle gern mal probiert hätten Tempo rein zu bringen.

Und wir fangen an zu „genießen“ 🙂 

Auf dem nächsten Kilometer durch den Wald warteten immer wieder kleine Schleifen auf uns, die wir mit verschiedensten Gewichten bestreiten mussten. Von Holzscheiben über Kettlebells…wir trugen alles durch den Wald. 😉

…und genau das war die perfekte Grundlage für wundervolle Wadenkrämpfe.

Die nächsten zwei Kilometer ging es weiter bergauf. „Wollen wir nicht mal ein bisschen das Tempo raus nehmen?“ Hm…irgendwie blieb meine Bitte ungeachtet. Fleißig hielten wir den 5:30er Schnitt, auch an den Anstiegen. Wieder gab es hier und da ein Hindernis…und nach knapp neun Kilometern dann das nächste, das sich in meine Erinnerung einbrannte. Wir kamen am SUMMERSAULT an. Es ging quasi drunter und drüber. Ich fand, das sah gar nicht so schwer aus. Ratz fatz waren die Männer drüber…ich war noch an der Reihe. An dieser Stelle kann dir niemand helfen. Wie denn auch? Vielleicht deine Beine fest halten? Ich weiß nicht, glaube aber kaum, dass das funktioniert. Ich klammerte mich wie ein kleiner, gut in meinem Fall eher wie ein großer Affe, an die Balken. 😉 Unten hängen, war nicht schwer…aber ich musste auch wieder hochkommen. Stück für Stück, war ich schließlich ganz oben und hatte damit die Hälfte geschafft. Nun das Ganze wieder nach unten. Der Marshall hatte Geduld mit mir. „Jetzt wieder hoch, jetzt wieder unten durch…“ Ich musste vor allem, wenn ich mich von oben nach unten „fallen“ ließ, aufpassen, dass ich nicht abrutschte.

Und dann war auch schon das Ende in Sicht. Ich musste theoretisch ein letztes Mal wieder hoch auf den Balken kommen. Doch dann, dann passierte es… ich rutschte mit meinem rechten Bein ab! „Zieh dich hoch!“ schrie mich der Marshall nun an und auch Benny schrie laut „Neiiiiiiin!“. Doch fragt mich nicht wie, der Schreck, die letzte Kraft…haben mich irgendwie davor gerettet, den Boden zu berühren. Benny war sich sicher, die oberste Spitze der Grashalme haben schon meine Ferse gestriffen, doch zum Glück war es nicht er Boden 🙂 Patrick hatte an diesem Hindernis leider verloren und kämpfte mit seinen ersten 30 Burpees für dieses Rennen. Hier durften wir ihm auch leider noch nicht helfen.

Gut gestärkt (ich glaube ich habe mir drei Apfelschorle gegönnt) konnten wir nun endlich auch mal ein Stück bergab laufen. Leider war es aber nicht möglich ordentlich Gas zugeben, denn der Weg war über und über voll mit Ästen. „Ich glaube Kalli hat gesagt, dass wir hier langsam machen sollen!“ sagte ich. „Hat er? Glaube ich nicht!“ lachte Clemens. Aber ich bin der Meinung, wir wurden darauf hingewiesen, dass es hier wirklich nicht ganz ohne war und man zumindest vorsichtig sein sollte. Silvio und Markus pfiffen hier durch den Wald, als hätten sie die Äste übersehen, Clemens und ich gaben uns Mühe flott durchzukommen…und Benny und Patrick ließen sich nicht stressen und quatschten fröhlich über Fußball.

Irgendwie war dieser Teil der Strecke der einzige, der uns das Gefühl vermittelte, dass wir auch mal bergab laufen.

Weiter ging es knapp zwei Kilometer, bis wir schließlich am Steinbruch ankamen. Tolle Spielwiese <3

Steinbruch 5

Hier wurden verschiedenste Dinge abverlangt. So durften wir uns „abseilen“, Europaletten mit 70 Kilo (sofern die Sandsäcke mit je 35kg bestückt waren) ziehen, Betonkugeln tragen, mit Kies gefüllte Eimer den Berg hinauf schleppen, steinige Abschnitte erklimmen….es war also für jeden Geschmack etwas dabei.

Steinbruch 3

Es gibt, wie wir es vom Orga-Team des GTTR gewohnt sind, wieder den einen oder anderen genialen Trailer. Dieses Mal haben wir es auch in mehrere dieser Trailer geschafft. Und zwar im Steinbruch 🙂

TRAILER

Mehr als 22 Minuten haben wir insgesamt im Steinbruch verbracht…ihr könnt euch also vorstellen, dass man hier etwas Zeit benötigte.

Endlich…Strecke für den Läufer!!!

Wir hatten etwas mehr als einen Kilometer Zeit uns von den Strapazen zu erholen. Dann trafen wir auf die nächsten kleinen und großen Hindernisse. Zwischen dem 12. und 13. Kilometer wartete das THW mit einer kleinen Wasserdusche auf uns außerdem durften wir über ein paar hängende Reifen klettern. Da an der letzten Verpflegungsstation die Getränke restlos geleert waren, freuten wir uns, dass die Helfer des THW eine Brause herausrückten. Dafür waren wir wirklich sehr dankbar! Also an dieser Stelle nochmal – Herzlichen Dank dafür 🙂

Vor uns lag nun die längste Laufeinheit der Strecke. Hier hatten die Läufer eine Chance wieder aufzuholen. Und das taten wir auch. Wir liefen durch, gönnten uns auch an den langgezogenen Anstiegen keine Pause und kamen schließlich, nach knapp drei Kilometer, am nächsten „Hindernis“ an.

Auf geht´s – Bändchen sammeln! 

Hier hatten wir die Chance uns das erste Bändchen zu verdienen. Und zwar das Band – SMASHING LEGEND. Die Aufgabe bestand darin, eine Art Kettlebell zu werfen. Gibt es die in Sandsackform? Falls ja, dann waren es Kettlebells 😉 Ist ja auch egal…die Aufgabe bestand auf alle Fälle darin, die Teile zu stoßen. Wie eben beim Kugelstoßen. Und zwar, geschätzt fünf bis sechs Meter. Sah sicher leichter aus, als es war, denn es gab einige Läufer, die ohne Band weiter mussten.

Allerdings muss ich an dieser Stelle auch sagen, dass der Marshall echt keine leichte Aufgabe hatte. Er war allein, als wir dort waren…allein mit etwa 25 motivierten Kämpfern.

Der Herr sah, wie ich meine Kugel aufnahm und sie schleudern wollte. „Nicht schleudern, stoßen!“ Gut, machte ich. Mit ordentlich Power flog meine Kugel anständig und landete gerade so auf der Palette. Ein Teil hing allerdings schon herunter…und plumps, kam der Rest auch noch hinterher. Da lag sie also neben der Palette. Hm…ich schaute ihn fragend an.

„Welche gehört dir?“

Waaaaaaas, dachte ich! Der hat nicht gesehen welche mir ist?

„Die ganz links.“

„Die liegt unten, das zählt nicht.“

„Aber die lag zum Teil drauf und ist dann abgerutscht. Das ist echt ärgerlich.“

„Na gut, wenn sie erst drauf lag…hier, dein Bändchen!“

Geil! Wie nett 🙂

Patrick ging es dann ähnlich. Aber bei ihm hat er es nicht zählen lassen. Das hab ich dann nicht verstanden…

Endlich wieder ordentliche Verpflegung!

Solange die anderen noch beschäftigt waren, nutzte ich die Zeit uns mit Wasser und Bananen zu versorgen. Hier gab es wieder von allem genug. Was ein Glück 🙂

Wir mussten gar nicht weit laufen, da trafen wir schon auf das nächste Hindernis. LIMBOSNATCH! Mit einem Holzstock – also unserem Limbostick mussten wir uns hängend von einer Seite auf die anderen bewegen. Das hatte ich zu Hause kurz geübt und gewusst, dass ich das kann.
Wenn ich mich nicht täusche, stand Susi Kraus, als eine von zwei Marshalls an dieser Stelle. Da sie mehr als fit ist wird sie also auch mit einer Frau kein Mitleid haben. Sie hätte das Ding wahrscheinlich auch mit einer Hand gerockt 😉

Ich entschied mich für die Mitte, fasste meinen Stock und los gings. Klack, klack, klack…zügig war ich auf der anderen Seite. Angefeuert wurde ich von drei jungen Männern, die zufällig als Zuschauer an dieser Stelle standen. Auf der anderen Seite angekommen – gut, es fehlten noch etwa 10 Zentimeter, musste ich versuchen mich über die Linie zu schwingen, denn oben konnte ich nicht weiter vor, da ein nicht weggeräumter Stock meinen „Weg“ versperrte. Ich holte etwas Schwung und kam mit den Zehenspitzen auf der Linie an. Die Fersen hatten es aber nicht drüber geschafft.

Knapp daneben – 30 Burpees! Gab mir Susi zu verstehen. Doch bevor ich was sagen konnte riefen schon die Zuschauer, dass das nicht fair ist. Ich hatte es geschafft, oben lag ein Stock und deswegen konnte ich die letzten 10 cm nicht weiter nach vorn rutschen. Auch der zweite Marshall hatte das gesehen. Ein Glück! Damit hatten alle anderen überzeugt und ich durfte ohne Burpees weiter laufen. Auch alle anderen meisterten dieses Hindernis sauber. Oder musste doch der eine oder andere Burpees machen…ich weiß es nicht mehr.

Ich bedankte mich auf alle Fälle bei den Zuschauern und weiter ging es. Vor Susi Kraus nicht versagt! Gott sei Dank 🙂

Panik im Kopf! 

Soweit ich mich erinnere, war das nun das letzte Hindernis, bevor wir zurück auf das Veranstaltungsgelände liefen. In meinem Kopf hat sich jetzt schon wieder leichte Panik breit gemacht. Ich wusste, dass wir noch die Seile hoch und herunter müssten und THE WAVE überwinden müssen, um zu finishen.

Wir hatten knapp 1,5 Kilometer Zeit, uns Mut anzusammeln. Ich war schon wieder leicht in mich gekehrt…alle anderen schienen aber noch recht motiviert und frohen Mutes unterwegs zu sein. Bevor wir wie die Affen die Seile hoch klettern durften, gab es aber noch die eine oder andere Aufgabe.

Erstmal durften wir uns, am Anfang des Parcours, nass machen. Wäre doch auch zu leicht mit trockenen Händen und trockenen Füßen zu Hangeln usw.

Nachdem wir durch die Schlamm bzw. Wasserlöcher gekrochen sind, warteten erstmal die Slacklines auf uns. Hier trafen wir auf Max, Kevin und Reuschi, die heute die 8 Kilometer laufen wollten und damit an ihrem ersten Hindernislauf teilnahmen.

Slackline

Max rief uns zu, dass wir eine Dreierreihe machen dürfen um über die Slacklines zu kommen. Abrrutschen bedeutet 30 Burpees. Benny, Markus und ich bildeten eine Reihe. Sauber Männers, souverän und ohne Probleme kamen wir auf der anderen Seite an und nahmen stolz unser zweites Bändchen, das POWER OF BALANCE, entgegen.

Irgendwie waren wir schon so fokusiert auf die Seile, die wir als nächstes hochklettern mussten, dass wir nicht wahrgenommen haben, wie Clemens, Silvio und Patrick über die Slacklines sind. Sie hatten es nicht geschafft und durften sich mit Burpees quälen. Und das vor dem Seil. Wir hätten ihnen welche abnehmen dürfen, haben es aber wirklich voll verpasst.

Vermutlich sah man mir die Angst schon wieder an. Wie bitte soll ich diese Seile hoch kommen. Bis zur Glocke! Wie viele Meter waren das? Fünf? Sechs? …egal, in dem Moment waren es für mich zehn Meter!

Seil 2

Max gab mir den Tipp, meine Füße mit einzusetzen, dass ich nicht mit den Armen ziehen muss. Aber meine Schuhe waren so nass, dass ich damit keinen Halt hatte. Stattdessen klemmte ich mir das Seil ordentlich zwischen die Beine und zog rein aus den Armen. Dadurch, dass mein Cousin an der Seite stand, vor dem ich definitiv nicht versagen wollte, war ich motiviert ohne Ende. Und was soll ich sagen, ich habe es geschafft. Eine Sache, die ich nie für möglich gehalten habe. Im Traum hatte ich nicht daran gedacht, dass ich es nach oben schaffen würde.

Seil1

Das war der Moment, in dem ich dachte, ich kann Bäume ausreisen.

…und voller Tatendrang lief ich weiter und sprang auf die nächsten Strohballen. Und das war ein Fehler! „KRAMPF“ Schrie ich. Beide Waden waren zu. Benny und Markus eilten herbei um dagegen zu drücken. „Das war´s, sagte Benny. Du kannst vergessen, dass du heute wieder richtig laufen und springen kannst.“ „Was? Willst du mich verarschen?“

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Ich kannte bis zu diesem Zeitpunkt solche Krämpfe nicht. Ich hatte sie noch NIE! Wirklich noch nie!

Also dachte ich mir auch nichts dabei und versuchte mein Glück. Weiter ging es…und wieder „Krampf!“ das ganze wiederholte sich noch ein bis zweimal, bis mir meine Männer zu verstehen gaben, dass ich endlich aufhören soll allein über die Hindernisse springen zu wollen.

Reifen Ende

Mit steifen Beinen ging es weiter. Der Kampf hatte begonnen!

Jetzt gab es erstmal ein paar bekannte Hindernisse, von denen ich eigentlich wusste, wie wir sie am Besten bezwingen. Aber wie schon gesagt, Krämpfe hatte ich noch nie und deshalb durfte ich diese Hindernisse in Rudolstadt auch immer ohne Schmerzen überwinden.  Mit steifen Beinen die Betonmauer hoch…was ein Traum!

Krampf

Dann kamen wir an der Stelle an, an der wir uns unser drittes Bändchen holen konnten. Das schwarze für den MAN OF STEEL! Zu gern hätte ich mir auch das noch geholt. Aber leider fehlte schon an den Ringen die Kraft. Unsere Hände waren nass (wir wussten eigentlich nicht warum)…und die Kraft ging offensichtlich bei mir schon für andere Dinge drauf, denn normalerweise schaffte ich es bisher mich gut an den Ringen entlang zu hangeln.

Vielleicht fehlte mir auch die Motivation, denn ich sah schon jetzt, dass man um das komplette Hindernis zu meistern, am Ende auch nochmal seine Beine braucht. Viele Läufer hingen mit krampfenden Beinen an den Stangen. Das tat schon beim Zuschauen weh…und ich wusste, dass das sicherlich nicht gut für mich endet.

Also durfte ich schweren Herzens auf das schwarze Band verzichten und schnappte mir als Strafe eine Betonkugel, die es ein paar Meter zu tragen galt…auch Clemens und Patrick hatte es an dieser Stelle erwischt. Die anderen drei sicherten sich ein schwarzes Band. Benny damit sein drittes <3

Ich schaute mir in der Zwischenzeit das nächste Hindernis an. Clemens kletterte schon fleißig an den Wänden entlang, die mit kleinen Holzklötzern bestückt waren. Auch Patrick gab schon sein Bestes. Sieht gar nicht so schwer aus. Ich griff mit meiner linken Hand den ersten Klotz, und wollte mich mit dem rechten Bein auf einem Klotz nach oben drücken! „Kraaaaampf!“ „Nicht schon wieder!“ rief Markus, eilte aber gleich herbei um gegen meinen Fuß zu drücken. „Keine Chance, ich bekomme den nicht rum. Der ist stock steif!“ Ich konnte machen was ich wollte…ich bekam den Fuß nicht herangezogen. Es verging eine Weile, bis sich aus dem Nichts der Krampf löste und ich wieder aufstehen konnte.

Das hieß also – nochmal Betonkugeln tragen!

Klettern

Gemeinsam machten wir uns nun an das vorletzte Hindernis. Noch einmal waren unsere Arme gefordert. Wir hangelten zunächst eine Stange entlang. Das klappte noch prima. Im Hintergrund hörte ich wieder meinen Cousin Max, der mich anfeuerte. Genial, wie sehr mich das motiviert 🙂 Nun standen wir vor Ringen und Bierfässern, die abwechselnd hingen. Ich griff den ersten Ring, griff das Bierfass…und machte dann den Fehler, auch mit der zweiten Hand das Fass zu greifen. Ich hätte den Schwung nutzen und gleich den nächsten Ring packen müssen. So hing ich am Fass und versuchte den nächsten Ring zu erwischen. Keine Chance… „Kniebeuge!“

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Wenn ich ehrlich bin, ich genoss die Kniebeuge in vollen Zügen.

Als wir gemeinsam vor dem letzten Hindernis standen, war uns der Schreck ins Gesicht geschrieben. Wir kannten die Welle…aber uns wurde gesagt, dass nur die Elite ohne Seile hoch muss. Wir bekommen Seile. Von denen war aber weit und breit keine Spur. Die anderen Läufer kämpften bereits was das Zeug hielt. Als wir an der Reihe waren stand Kalli mit oben und half den Teilnehmern über diese letzte Hürde.

In mir stieg eine leichte Panik hoch. Ich war nicht mal in der Lage ordentlich Anlauf zu nehmen. Wie soll ich denn dann bitte da hoch kommen? Silvio, Clemens und Patrick waren die ersten die oben waren. Dann sollte ich…

Glaubt mir, ich hatte in diesem Augenblick verdammte Ängste zu scheitern. Aber es nützte nichts. Ich lief los…und dann – noch vor der Rampe musste ich abbrechen. Krämpfe! Auf dem Video, das Kevin machte, sieht man schon, wie seltsam ich laufe. Ich konnte meine Füße gar nicht mehr abrollen und lief quasi wie ein Storch. Wie sollte das denn bitte funktionieren?

Zieleinlauf

Und da passierte es! Mir liefen die ersten Tränen über´s Gesicht. Ich dachte echt, es ist vorbei. Ich bin gescheitert…

welle

Doch Markus und Benny redeten auf mich ein, was das Zeug hielt. „Du läufst und ich schiebe dich von hinten. Clemens zieht dann von oben!“ Ich hätte nicht im Traum gedacht, dass es funktioniert. Aber der Schwung, den ich sicher auch durch Markus Hilfe bekam, reichte aus, um die Hände von Clemens und Silvio zu greifen. Ich war oben und konnte es nicht fassen. Die Tränen liefen und liefen. Ich zitterte jetzt am ganzen Körper. Kalli beruhigte mich! „Es ist vorbei! Du hast es geschafft!!!“ (Und das ist etwas, was kein anderer Veranstalter schafft! Jeder Kämpfer wird persönlich im Ziel empfangen, beglückwünscht und wie in meinem Fall, beruhigt. Unvorstellbar, aber wahr!)

Und dann, dann wurde es mir klar. Kalli hatte recht. Stimmt! Ich hatte es geschafft. WIR hatten es geschafft.

Gemeinsam ging es nun noch die Rutsche hinunter….und dann, dann war es nach etwas über drei Stunden an der Zeit, sich in die Arme zu fallen!

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Es war ein verdammt geiler, aber auch sehr anspruchsvoller Lauf. Die Bedingungen waren komplett etwas anderes als in Rudolstadt. Man musste anders kämpfen, anders beißen, ganz anders über seine Grenzen gehen.

Wenn ich zurückblicke, muss ich gestehen, dass wir extrem viel Spaß hatten und uns wieder einmal bewiesen hatten, wie genial wir im Team funktionieren. Eigentlich wollten wir schneller laufen, wir wollten sehen was geht und  in einzelnen kleinen Gruppen, je nach Leistung, durchkommen. Aber es war einfach von Anfang an so eine geniale Stimmung, dass keiner ohne den Rest ankommen wollte. 🙂 Danke dafür…ihr seid wundervoll!

Und wie immer war es auch so, dass jeder wo anders seine Schwächen hat. Jeder braucht vielleicht an anderer Stelle Unterstützung, eine helfende Hand, motivierende Worte, einen Becher Wasser gereicht, eine Brause organisiert, einen Witz um mal wieder lachen zu können…

Auch wenn ich wirklich gern mal wissen würde, wie schnell wir so einen Lauf denn nun wirklich bestreiten könnten, bin ich trotzdem irgendwie glücklich, wieder einigermaßen entspannt und mit einem tollen Team durchgekommen zu sein. Tempo machen wir also wieder einmal – ein anderes Mal 😉

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Ich danke euch Männers für den gemeinsamen Run und hoffe und weiß, dass es zum Glück nicht der letzte war!

Nachdem wir uns ordentlich gefeiert hatten und uns aus den nassen Klamotten befreit hatten, genossen wir noch die Stimmung vor Ort. Wir trafen einige bekannte Gesichter, quatschten hier und da…und wurden beim Kuchennaschen erwischt 😉 Danke Micha, für das nette Beweisbild.

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Während wir die Stimmung schon genießen konnten, waren Max, Kevin und Reuschi noch voller Vorfreude und Aufregung. Für die drei war es der erste Lauf dieser Art! Und, was soll ich sagen? Infiziert! Check 🙂

Getting Tough Beat the Summer

Zum Schluss möchte ich auch kurz die Gelegenheit nutzten und mich bei den Veranstaltern bedanken. Man merkt auf der Strecke, dass ihr wisst was zu tun ist. Ihr liebt diesen Sport und das spürt man an allen Stellen. Und kann mir jemand verraten, wo man bitte noch von den Veranstaltern persönlich im Ziel erwartet wird? Richtig! Sicherlich nirgendwo! Danke dafür – das macht den Zieleinlauf perfekt!
Ich freue mich auf das nächste Jahr und bin mir sicher, dass ihr die Kritik, die von hier und da kam annehmt und noch stärker und besser werdet. Wir sind zu 99,9% wieder dabei, wenn wir am 23. Juni 2018 den Sommer schlagen!

Jetzt geht es aber erstmal Richtung Dezember…dort sehen wir uns, wie die letzten Jahre auch, zu THE RACE 🙂

P.S. Der Junge hat seine zwei Euro natürlich bekommen. 🙂

Und zum Schluss…danke ich noch fix für die tollen Bilder, die unter anderem Christiane Noth und Michael Schröder gemacht haben. Mehr davon findet ihr hier: ORC-Bilder 

…und auch Kevin Görlach hat mir ganz viele Fotos bereitgestellt. Danke 🙂

 

ENDE 😉

 

 

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