Teil 1 🙂

Nach meinem ersten Marathon vor drei Jahren in Berlin, war ich fest davon überzeugt, dass das nicht mein letzter sein wird. Auch wenn es ein Kampf war und ich meinem Körper alles abverlangen musste. Ich war stolz wie verrückt und wollte dieses unbeschreiblich tolle Gefühl wieder genießen. Meine Marathonliebe war entflammt.

Es dauerte nicht lange und ich war für den nächsten Lauf angemeldet. Der Fehmarn-Marathon…mein erster unter vier Stunden! Auch dieser Lauf war alles andere als ein Kinderspiel. Ich kämpfte mich durch und genoss wieder dieses wundervolle After-Run-Gefühl. Nie wieder wollte ich darauf verzichten müssen.

Von nun an lief sich alles leichter. Ich verstand, dass ich das Lauftraining noch viel umfangreicher gestalten musste. Eifrig setzte ich meine Trainigspläne um und konnte die 42,195 Kilometer schon bald genießen, sofern die Zeit keine wesentliche Rolle spielte. Ich schaffte es aber auch, immer wieder meine persönliche Bestzeit zu knacken. Es war genial, ich war voll im Flow. 🙂

…bis dann unser Läuferbaby dazwischen kam.

Auch während der Schwangerschaft konnte ich es nicht lassen. Drei Marathons lief ich noch mit unserem Gummibärchen im Bauch…doch dann, nach dem Ultramarathon auf dem Rennsteig war vorerst Schluss.

Es dauerte dann lange 10 Monate, bis ich endlich wieder einen Versuch starten konnte. Wie schon die letzten Jahre zuvor, rief der Kyffhäuser Berglauf. Egal über welche Distanz, die Strecken haben es in sich…aber ich wollte unbedingt den Marathon über den Kyffhäuser laufen. Was ich im Vorjahr im vierten Monat geschafft hatte, sollte ich doch dieses Jahr auch bewältigen können.

Die Vorbereitung auf mein Marathon-Comeback lief…nun ja, mal mehr, mal weniger gut. Mir fehlte die Zeit für die langen Läufe. Mein Körper war zwar schon wieder in der Lage viel zu leisten, aber ob er es schafft einen Marathon zu laufen, dazu auch noch mit einigen Höhenmetern, das war nicht ganz klar.

Der Kyffhäuser sollte es zeigen…

Am 08. April war es dann endlich soweit. Vor mir, Silvio, Pascal und Christoph (Stiftung Wadentest) lagen mehr als 42 Kilometer und über 700 Höhenmeter.

Die Stimmung vor dem Lauf war gut. Wie gewohnt trafen wir uns für ein schönes Gruppenfoto. Da wir alle unterschiedliche Distanzen liefen, würden wir uns sicher hinterher nicht mehr sehen.

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Doch die Welt wäre nicht klein, wenn ich neben den üblichen Verdächtigen, nicht auch noch andere Freunde und Bekannte getroffen hätte. So verdrängt man die Anspannung und Aufregung vor einem Lauf doch am Besten.

Mich hat auch ein sympatischer Läufer angesprochen, der ebenfalls den Marathon laufen wollte. Er hatte meinen Bericht aus dem Vorjahr gelesen und konnte diesen als Motivationshilfe nutzen. Ganz nach dem Motto – „Wenn das eine Schwangere packt, schaffe ich das auch“ 🙂 Witzig!

Wie gesagt die Zeit verging wie im Flug und Ratz Fatz waren wir auch schon auf der Strecke.

Wir liefen zunächst zu viert los. Pascal wollt dran bleiben so lange es ging, Christoph und Silvio wollten den Lauf als Vorbereitung auf den Supermarathon ruhig angehen und ich, nun ja, ich wollte überleben 🙂

Total optimistisch nahmen wir uns eine Zielzeit von 4:20 Stunden vor. Und die ersten Kilometer sah es auch so aus, als würden wir das wirklich mehr als gut hinbekommen. Schnell hatten wir mehr als fünf Minuten gut gelaufen. Zeit, die wir hinten heraus sicher gut gebrauchen können…oder wäre es besser gewesen, das Tempo niedrig zu halten um Ermüdungen zu vermeiden?

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Nach ca. sieben Kilometern begann dann aber der Anstieg. Ein beinahe endlos erscheinender Anstieg, der sich etwa sieben Kilometer zog. Wir schafften es anfangs noch zusammen zu bleiben. Doch dann verabschiedete sich Pascal. Das Tempo, das Silvio und Christoph vorgaben war aber auch immer noch straff. Hätten sie sich nicht Mühe gegeben, mich irgendwie mitzuziehen, wären sie längst über alle Berge.

Nach knapp zwei Stunden hatten wir die ersten 18 Kilometer hinter uns. Zu diesem Zeitpunkt rückte die 4:20 Stunden-Ziel-Zeit ein bisschen in die Ferne. Doch wir konnten das Blatt erstmal wieder wenden. Der Kyffhäuser Berglauf ist wirklich hart, viele lange steile Anstiege…aber, und das ist das Gute, es geht auch hin und wieder bergab. Steil und lang! Diese Chance nutzten wir und konnten auf den Kilometern 19 bis 21 wieder richtig Gas geben und ordentlich Zeit gut machen, bevor der nächste knackige Anstieg auf uns wartete.  Wenn ich mich recht erinnere, ging es jetzt bergauf zum Kyffhäuser-Denkmal. Laufen war an dieser Stelle nicht drin. Wirklich nicht! Es ist einfach so verdammt steil, dass an Laufen nicht zu denken ist.

Oben angekommen genossen wir wieder einmal die traumhafte Streckenverpflegung, die wir aus dem Vorjahr noch in bester Erinnerung hatten. 🙂

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Sehr gut gestärkt konnten wir also starten. Die restlichen 19 Kilometer sind doch jetzt ein Klacks. Zumindest für den Moment.

Wieder einmal konnten wir richtig Tempo machen und rasten förmlich die Trails durch das Gelände bergab. Wir holten kräftig Schwung, den wir auch brauchten.

Meine Uhr verriet, dass wir immer noch mit einer Zeit um die 4:23 Stunden rechnen können. Zwischenzeitlich hatte ich auch mal eine 4:28 Stunden auf der Uhr, weshalb ich echt froh war, dass wir es bergab immer wieder schafften, ordentlich Zeit gut zu laufen.

Und so lief es…bergauf und bergab…mal schnell, mal langsam…mal fluchend, mal lachen…

Irgendwann trafen wir Jens. Er ist einer der schnellsten Läufer unserer Gruppe. Auch Jens bereitete sich auf den Rennsteiglauf vor. Aber anders als wir. Er läuft keinen Marathon vor einem Marathon, als Vorbereitung. 😉 Aber er läuft auch weit ambitionierter und kämpft um wirklich gute Zeiten.

Auf alle Fälle, was ich sagen wollte, stand er plötzlich als Zuschauer an der Strecke…und durfte mich mal von einer ganz anderen Seite kennenlernen. Ich war nämlich längst im Fluchmodus angekommen. Doch für ein nettes Foto reichte es noch 😉

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Und für Silvio…für ihn hatte Jens einen Schnaps dabei. Nicht sein Ernst! Der wird es doch nicht trinken!? Doch, hat er! Und es schien ihn irgendwie, nun ja, so ein bisschen zu dopen 🙂

Weiter geht´s…

Wer den Kyffhäuser Berglauf kennt, der weiß und fürchtet vielleicht auch, den letzten steilen Anstieg. Von Udersleben aus geht es am Flugplatz vorbei so richtig schön bergauf und man hat dabei IMMER Gegenwind. An der Stelle quält man sich nochmal ungemein. Links und rechts Läufer mit krampfenden Waden, auf der Strecke Mitstreiter, denen es nicht mehr möglich war zu laufen… Und das über mehr als drei Kilometer. Das Gute ist aber immer, dass man weiß (zumindest wenn man sich hier nicht zum ersten Mal hochquält), dass man es danach geschafft hat. Keine Anstiege mehr…es geht dann nur noch bergab.

Und weil es am Ende nur noch bergab geht, schafft man es auch, nochmal Kraft für einen Schlusssprint zu sammeln! Die letzten drei Kilometer liefen wir weit unter 5:30 min/km und den letzten sogar mit einer Pace von 5:08 min/km…und kamen schließlich nach 4:25 Stunden glücklich und am Limit im Ziel an! 🙂

Also zumindest war ich nach dem Sprint am Limit! Christophs Puls war wahrscheinlich immer noch unter 140 bpm. Glaubt mir, der ist so verdammt fit, für den war mein persönliches Comeback auf der Marathonstrecke, ein gemütlicher Spaziergang…und vor dieser Leistung habe ich unwahrscheinlichen Respekt und bin stolz mit so fitten Läufern trainieren zu können!

…und mit ihnen gleich den nächsten Lauf zu bestreiten!
Auf zum Rennsteig! (Teil 2 folgt)

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